Kirche und Reich. 315
Die Belagerungsheere vor Zürich und der Farnsburg löſten ſich nach dieſer Schlacht in Eile auf; es galt, die Päſſe zu beſetzen, und, wie gewohnt, den Feind im eigenen Lande zu erwarten. Aber der hatte nach der erhaltenen Probe keine Luſt zu neuem Kompfe mit den Eidgenoſſen. Statt einen Krieg in unwegſamen Bergen zu führen, überſchwemmten die zuchtloſen Scharen des Dauphin das Elſaß; plünderten und raubten im Lande, ſchändeten Frauen und Mädchen. Klage auf Klage kam an den in Nürnberg verſammelten Reichstag.“)
Schon als das franzöſiſche Heer des Reiches Grenze überſchritt, hatten die Fürſten den König gedrängt, Abwehrmaßregeln zu ergreifen. Der König hatte geſchwiegen,') ſpäter mit erheucheltem Zorn auf die Eindringlinge geſcholten und eingewilligt, eine Geſandtſchaft an den Dauphin zu ſchicken, die ihn zum Verlaſſen des Elſaß auffordern ſollte.
Der Dauphin mag ſeinen Ohren nicht getraut haben, als der Biſchof von Augsburg ihm ſolche ſeltſame Kunde:
brachte, er verweigerte dem Biſchof jede Antwort und ſchickte ſelbſt Geſandte an den Reichstag.
Da hörten dann die deutſchen Fürſten und Städteboten, daß ihr König den fremden Herrſcher gegen die eigenen Untertanen ins Land gerufen, ihm Winterquartiere bis Juni des nächſten Jahres) und Offnung feiner Städte und Schlöſſer
1) Die früheren Werbungen von Armagnaken und die ſpäteren von böhmiſchen Söldnertruppen können mit dieſem Einmarſch eines Heeres unter der Leitung eines fremden Königsſohnes nicht verglichen werden, wie es getan wird. Die erſteren waren Hilfstruppen, die nach ihrer Ablöhnung nichts weiter zu verlangen hatten; das Heer des Dauphin aber wurde nach Intereſſen geleitet, die von denen des Hilfeſuchenden ſehr verſchieden waren.
) Gudenus dipl., IV, S. 288.
Es handelt ſich natürlich bei dem Datum um Johannes bapt., nicht evangel. Dem Biſchof von Augsburg erwiderte der Dauphin (Wülcker a. a. O,, S. 51), er wolle im März abziehen, wenn der König ihm ſeine Koſten erſetze.