Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
316
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316 Kirche und Reich.

verſprochen habe. Auf die Weigerung ihres Herren, die Grenze des Reiches zu überſchreiten, ſo brüſteten ſich die franzöſiſchen Geſandten, hätte die Regierung des römiſchen Königs in den Vorlanden binnen weniger Wochen immer wieder und wieder Geſandtſchaften geſchickt und ihren Herren um Hilfe angefleht; ohne Zaudern hätten die Geſandten Friedrichs alle Forderun­gen König Karls bewilligt.

In ſiegreicher Schlacht hätte ein franzöſiſches Heer furcht­bare Schmach vom Haufe Sſterreichs abgewandt. Zürich und die Farnsburg wären entſetzt, aber um den Lohn für ihre Opfer und Mühen wollte jetzt der römiſche König Frankreichs ruhmgekröntes Heer prellen, es in Schnee und Eis Winter­quartiere beziehen laſſen. Gar billig wäre es, den Handwerker nach getaner Arbeit zu verachten.)

Nicht einmal die verſprochenen 20 Schlöſſer hätte König Friedrich ihnen öffnen laſſen, ſo hätten fie leider ſich ihr Recht mit Gewalt nehmen müſſen.?) Ungeheuren Schaden hätte das franzöſiſche Heer durch den Wortbruch König Friedrichs er­litten. Trotz allem erbiete ſich aber der Dauphin, den Kampf gegen die Eidgenoſſen für Herzog Sigismund, den Verlobten ſeiner Schweſter, fortzuſetzen. Doch ſollten König Friedrich und die Fürſten des Reiches Herzog Sigismund und ſeinen reichen ererbten Schatz ihrem Könige anvertrauen.)

Es iſt glaublich, daß König Friedrich bei ſolcher Rede ſchamrot geworden iſt,) da er ſich ſelbſt wohl nicht geſchickt ) Tuetey, Les écorcheurs, a. a. O., Bd. II, S. 146. Apres Voeuvre fait, les ouvriers sont méprisés.

Müller, Reichstagstheatrum, I, S. 219220. Fugger, Spiegel der Ehren des Hauſes Oſterreichs. Die Inſtruktion dieſer und der ſpäteren franzöſiſchen Geſandtſchaft. Tuetey, a. a. O., II, S. 127168.

) Müller, Reichstagstheatrum, I, S. 229.

Die Geſinnung der Städteboten drückt Burkhart Zink, Städte­Chroniken, V,. S. 176, aus, wenn er über den König und über die in Nürnberg anweſenden Fürſten ſchreibt:fie lagen da und waren frölich und tanzten und lebten wohl und achten nit faſt des Mordes und Blut­

1 ens ſo in dem Land geſchehen war. Vgl. auch Müller, a. a. O,