Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
317
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Kirche und Reich. 317

genug wähnte, die vorgebrachten Tatſachen in ihr Gegenteil zu verdrehen, übertrug er Markgraf Albrecht dieſe undankbare Aufgabe.

Es iſt ein eigentümlicher Zufall, daß Albrecht, der in das öffentliche Leben mit einer Lüge getreten war,) als er zum erſten Male in des Reiches Geſchäften auftrat, mit grober Entſtellung beginnen mußte.

Was er zur Entſchuldigung des Königs ſagte, war un­wahr; nur wie er es ſagte, kann gewirkt haben.

Vor allem gebrauchte er den Kunſtkniff, ſich lediglich auf

die vom Könige ſelbſt im Vorjahre ſchriftlich unter ganz an­deren Verhältniſſen mit Karl VII. angeknüpften Verhandlungen zu beziehen. Die ſpäteren, durch die dringendſte Not gebotenen Geſandtſchaften der Enſisheimer Regierung aber ſchweigend zu übergeben.?) ö Geſchickt verknüpfte er gleichzeitig die Hilfe, die Karl VII. in dieſen Monaten ſeinem Neffen Rens bei der Wiedererobe­rung ſeines Herzogtumes Lothringen leiſtete') mit dem völlig von dieſer Unternehmung getrenntem Zuge des Dauphin gegen die Eidgenoſſen.

Er führte aus: Der König hätte von Karl VII. 5000 Mann zur Hilfe gegen die Eidgenoſſen gefordert, und hätte für dieſe Truppen 20 Städte und Märkte zu Lagerplätzen beſtimmt. Da aber König Karl wider Friedrichs Wunſch und Erwarten 40 000 Mann geſandt und auch bereits andere lothringiſche

) Vgl. Kapitel 2, die unwahre Angabe Albrechts über ſein Alter vor dem Nürnberger Landgericht.

) Das gleiche Manöver verſucht König Friedrich noch im De­zember 1444. Chmel, Reg. I, Nr. 1875. Auch beſtritt er, daß fein Statthalter, der Markgraf von Hochberg, zu den gemachten Verſprechungen Vollmacht gehabt hatte. Tuetey a. a. O., II, S. 145.

) Denn nur das kann am 14. September in Nürnberg bekannt deweſen fein, nicht aber, daß Karl VII. die lothringiſchen Städte zwang, ihm zu huldigen.