330 Kirche und Reich.
Völkern Europas zog ihn zu Eugen. Dazu kam, daß der Papſt ihm größere tatſächliche Vorteile gewähren konnte, als das Konzil, das bereits durch Verſprechungen an die Kurfürſten überlaſtet war. Auch die verhüllte Ablehnung des Konzils, das ſich der Mehrheit der Kurfürſten ſicher wähnte, auf ſeine neuerliche Botſchaft mochte ihn erbittern.
So entſchloß ſich der König gleichfalls, zu handeln.
Aeneas Silvius, der einſt mit ſchönem Pathos die Rechte des Konziles gegen päpſtliche Willkür verteidigt, dann als Sekretär des Königs ſeine Anſichten gewandelt hatte, überbrachte jetzt die frohe Kunde nach Rom: Der römiſche König, der Vogt der Kirche, ſei bereit, dem Papſt Obedienz zu leiſten.“) Aeneas ſelbſt wurde mit offenen Armen in Rom wie„der verlorene Sohn“ aufgenommen; als Legaten eilten der Biſchof von Bologna und Juan Carvajal zum König.
Die felicianiſchen Kurfürſten aber hatten doch nicht den Mut, angeſichts der Armagnakengefahr in der kirchlichen Frage ihre eigenen Wege zu gehen; gerade damals ſuchten ſie ihren Rückhalt an Frankreich. Brandenburg und Mainz blieben bei ihrer ablehnenden Haltung, und Herzog Friedrich von Sachſen mochte ſich doch nicht allzu ſchroff von ſeinem Schwager, dem Könige, trennen. Der Freundſchaft mit Savoyen„folgt kein Heller“, ſo klagte er.“);
Die königliche Partei aber befeſtigte ihre Stellung im Reiche immer mehr.
ö Markgraf Abrecht war es am 2. Januar in Mergentheim gelungen, ſeine nächſten Freunde, den Bruder Johann, den Schwager Ludwig von Ingolſtadt, den Erzbiſchof Dietrich, den Pfalzgrafen Otto, den Markgrafen Jakob von Baden, den Grafen Ulrich von Würtemberg in einem Bündniſſe zu einen.
y Voigt, Enea Silbio, I, S. 339348. Hufnagel, Cate Schlick uſw. a. a. O., S. 317 ff.
9 Pückert, Neutralität, S. 236.
) K. Bamberger Kr. A., S. I. K. 28, L 3; Fasz. 1, Nr. 10.