Kirche und Reich. 345
deſten wurde bald klar, daß kirchliche Überzeugung ein Handelsgegenſtand geworden war.
Natürlich wandte ſich die Bewegung vor allem gegen die landfremde Kurie. Die Fürſten waren doch allzu ſehr mit ihren Gebieten verwachſen, zu ſehr auch die Repräſentanten der ökonomiſchen Intereſſen ihrer Herrſchaften, auch wohl zu mächtig, als daß ſich die Erbitterung in gleichem Maße auch ihnen gegenüber hätte Luft machen können.“) Gefährlich wurde der Kurie dieſe Strömung erſt, als auch einzelne Fürſten von ihr ergriffen wurden, faſt verderblich, als die Neuerer durch die Ausſicht auf die reichen Kirchengüter den Fürſten größere Vorteile boten, als die Kurie es vermochte.
In der Mitte des 15. Jahrhunderts zeigten ſich kaum die erſten Regungen dieſer Bewegung auf den Univerſitäten; keine Stimme erhob ſich gegen die rückſichtsloſe Ausbeutung ihres Sieges durch die Kurie.
Im Gegenteil, als man 1450 das Jubiläum der Stadt
Rom feierte, war die aus allen Ländern zuſtrömende Menge größer und das Ergebnis für die päpſtlichen Kaſſen ergiebiger denn je.?) Die Kirchen und Klöſter konnten die Andächtigen
1) Die Erzbiſchöfe am Rhein erkannten ſchon ſehr bald die Ges fahr; faſt prophetiſch klingen die Worte ihrer Einung v. J. 1454. (Ranke, Deutſche Geſch. im Zeitalt. der Reformation, VI, S. 11.) „Auch dieweil die Zweyungen der heiligen Kirche unſere Nation faſt länger denn andere zu leczen pflegen, denn unſere Nation wird gemeiniglich unter viel Herren und Gehorſamkeiten geteilt und mag nit wohl von einer Gehorſamkeit behalten werden als andere Natlones, die ihre eynige Könige haben, denen jedermann in ſämtlichen Sachen folgen muß. Und ob ſo eine Zweyung käme, da Gott vor ſei, und würde unſere Nation ſo geteilt, ſo würde einer den anderen verungläubigen und würde ſunder alle Zweifel der geiſtliche Stand in deutſchen Landen niedergedrückt. Wir würden nit allein verlieren, Fürſtennde Herrſchaften und andere zeitliche Güter, es wäre auch faſt zu eſorgen, ſchwerer Perikel, Forchte und Sorge unſerer Perſonen.“ ) Manetti, Vita Nicolai V. bei Muratori, Script. rer. ital.
T., III, 2, S. 924.„Maxima et fere infinata argenti et auri copia“.