380 Die Vorbereitungen zum Städtekrieg.
Herzen der Bürger zu gewinnen; gern tanzte er mit einem hübſchen Bürgermädchen, ſah er, ſeine Edlen mit den Bürgern turnieren.“)
Sein Frohſinn hinderte ihn nicht an einer tiefen und aufrichtigen Frömmigkeit. Von ganzer Seele haßte er die Ketzer und ein verdienſtliches Werk ſchien es ihm, gegen ſie zu kämpfen; an einem hohen Feiertage durfte in ſeinem Heere ſelbſt vor einer gelagerten Burg nicht gearbeitet werden.“)
Für feines Weſens Art bezeichnend, iſt die Anekdote, die man ſich noch lange nach ſeinem Tode in den ſächſiſchen Landen erzählte. Während des Krieges mit feinem Bruder verlangte der Kurfürſt von dem Freiberger Rat, er ſollte Wilhelm, dem die Stadt gleichfalls gehuldigt hatte, abſagen. Der greiſe Bürgermeiſter Nikolaus Weller und der ganze Rat zog dem Kurfürſten vor das Tor entgegen; kniend und entblößten Hauptes flehte ihn Weller an, ſein Haupt vom Rumpfe trennen zu laſſen, doch keinen Treubruch ihm zuzumuten. Da
habe ihm Friedrich lachend auf die Schulter geklopft:„Nicht Kopf ab, Alter, ſolcher redlicher Männer bedürfen wir noch ferner.“
Den„alten Herrn“ haben ihn ſeine Zeitgenoſſen, als er kaum das dreißigſte Jahr überſchritten hatte, wohl nicht nur zur Unterſcheidung von ſeinen jüngeren Brüdern genannt; die Nachwelt hat dem Kurfürſten den Namen der„Sanftmütige gegeben.
Beide Zunamen ſind für den Charakter des Fürſten wenig bezeichnend. Nur weil die Fettpolſter des Geſichtes leicht
) Stolle, a. a. O., S. 17. Wenn Friedrich eine Stadt beſuchte,„da hatten ſich dy Bürger recht fin wohl ausgemacht“.
2) Stolle, a. a. O., S. 31.
) Möller, Freibergiſche Annalen, S. 45. Vgl. Böttiger, Geſch v. Sachſen, I., S. 388, Anm. 2.
HG