382 Die Vorbereitungen zum Städtekrieg.
der die Räte entließ, die gegen ein Zuſammengehen der Brüder zu hetzen wagten.“
Ganz anders faßte Herzog Wilhelm die Teilung auf. Er glaubte ſich Mannes genug, nach eigener Einſicht ſein Erbe verwalten zu können.
Stürmiſch und lebensfreudig, mit Schwert und Lanze, ſo geſchickt, wie mit der Armbruſt, brutal und genußſüchtig, glich er in manchem ſeinem Freunde Markgraf Albrecht, deſſen geſunder, auch den Gegner verhöhnender Humor, deſſen offenes, freies Weſen ihm verſagt war. Eigenwillig, rauh, ja hart ſchien er; er mühte ſich nicht, dem geringen Bauer, dem verhaßten Städter ſeine Verachtung zu verbergen.
Es war Moſt, der gährte, aber dann guten Wein gab. Die Kanten ſeines Weſens ſchliff die Zeit, und manche herbe Enttäuſchung.„Aus dem unbändigen Landgrafen ward ein beſonnener, rechnender Herr, deſſen Kampfluſt ſich zu landesherrlicher Strenge gewandelt hatte“,) deſſen Geboten, die einſt trotzige Ritterſchaft willig folgte.„Wenn er die Sporen anſchnallte und über den Schloßhof ging, ward er durch ganz Thüringen gehört und mochte ſich der fürſehen, um des Willen er ſich geſpornt hatte“, jo rühmte er ſich ſpäter.“)
Damals aber ſchien ihm noch jeder Rat des erfahreneren
Bruders freche Einmiſchung. Er, der ſo frei und ſicher auszuſchreiten meinte, merkte nicht, wie er von gewinnſüchtigen Räten gegängelt wurde.“) — 1 Müller, Entdecktes St. A. IV., S. 274, erzählt nach Akten, wie er angibt, die Klagen des Kurfürſten gegen die Brüder Vitzthum! „Sie hätten verſucht, Thüringen an die Krone Böhmen zu bringen; ſie hätten ihn vergiften wollen, ſie hätten ſeine Gemahlin veranlaßt, ihn mit der Begründung, daß er krank wäre, den Beiſchlaf zu verweiger ſie hätten ſich an Zinſen⸗ und Judenſteuern unrechtmäßig bereichert und wären an der Verſchuldung der ſächſiſchen Länder ſchuld.
2) Bachmann, Deutſche Reichsgeſch. I., S. 9.
) Schäfer, Der Prinzenraub, S. 10..
) Er habe ſich ein„Point d'honneur“ daraus gemacht, sein Räte auf das Anſinnen des Bruders nicht wegzujagen, ſagt der für“ lich⸗ſächſiſche Geheimſekretär Müller in ſeinem„Entdecktes Staats