Der Städtekrieg. 463.
Rechtgebote des Fürſten, deren frivole Ablehnung fie vor ihren eigenen Bundesgenoſſen ins offenbare Unrecht ſetzen ſollte, hatten ſie nur als einen Beweis ſeiner Schwäche betrachtet.
Aber wie kleinlaut waren die Großſprecher geworden, als der Markgraf nur einige Stadtdörfer beſetzte; feierlich unterwarfen ſie ſich, beugten ſich den wohl für Einzelne hartem, für die Stadt aber nicht ſchädlichem Spruche des Siegers. Wie zum Hohne zeigte von nun an das Siegel der Stadt den großen brandenburgiſchen Adler, der ſeine Fänge tief in das Fell des Berliner Bären ſchlägt.“)
Überall in Niederdeutſchland war in dieſen Jahren die Prinzipalität Sieger geblieben, nirgends ſo entſcheidend, mit ſo geringen Mitteln, wie gegen Berlin.“)'
Nicht Briefe noch Reden konnten für die Politik Albrechts beſſer als die Tatſache werben, daß der hartnäckigſte und glücklichſte Städtegegner im Norden des Reiches gerade ſein Bruder war. N
Nur im Südweſten hatte der demokratische Gedanke geſiegt. Die Sprengung der Eidgenoſſenſchaft war mißglückt, Zürich war in den alten Bund zurückgekehrt. 8
Der„Zürichkrieg“ brachte die demokratiſchen Gedanken zum allgemeinen Bewußtſein. In der Eidgenoſſenſchaft ſelbſt erwachten damals die ſeit faſt 100 Jahren ſchlummernden nationalen Gedanken.?) Die Freiheit ſtand den Eidgenoſſen von nun an höher als die Anhänglichkeit an das Reich.
) Goldſchmidt, Berlin und die Berliner, S. 23. . Raumer, Cod. dipl. I. 211. Droyſen, Geſch. d. preuß. 8 II. S. 117120. Priebatſch, Die Hohenzollern und die tädte der Mark, S. 90 fa 115 f. 4) Schon am 8. November 1452 ſchloſſen die acht Orte und Solo1 mit Frankreich den Bund, der eine Wiederholung des gemeinſamen Dive hiſchefranzöſiſchen Angriffes für alle Zeiten hindern ſollte. Vgl. e rauer, Geſch. d. ſchweizer. Eidgenoſſenſchaft, II, S. 134.