Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
465
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Der Städtekrieg. 465

Es iſt aber auch außer Zweifel, daß Albrecht die Bedeu­tung des Krieges ſehr wohl erkannte, daß er nicht nur eines immerhin unſicheren Gewinnes halber, ſondern mit ganzem Herzen der Vorkämpfer des fürſtlichen Anſpruches wurde.

Vom Strande der Oſtſee bis zu den weißen Firnen der Alpen fühlte die Mehrzahl der Fürſten) wie Albrecht und alle Reichsſtädte wie Nürnberg. Man darf deshalb von dem Übermut der Städter und derMachtgier der Fürſten nur wie von etwas Nebenſächlichem, die Entwicklung Beſchleuni­gendem ſprechen. Den Kampf, den die beiden größten Gruppen der Nation damals ausfochten, war eine politiſche und ſoziale Notwendigkeit geworden.|

Wie die Ringer in der Arena, um Atem zu ſchöpfen, die Umſchlingung kurze Zeit löſen, ſo ſtanden ſich lauernd, ſtets zu ſchnellem, vernichtendem Griffe bereit, des Reiches Fürſten und freie Städte gegenüber. i

Die Zuſtände, die ſich im Reiche entwickelt hatten, ſchienen in der Tat unhaltbar geworden.

Die wehrhaften freien Städte im Gebiete eines Fürſten waren für ihn eine beſtändige Drohung, hinderten ihn an jeder weitſchauenden, einheitlichen Politik; die Blüte der Städte mußte ihn eiferſüchtig und ängſtlich machen. ö

Seine finanziellen Schwierigkeiten wurden von den Städten ausgebeutet, waren für ſie die Quellen immer neuer Rechte und Erwerbungen.

Der Bauer oder der Edelmann, dem ein Fürſt zürnte, fand in den Städten nur allzu oft Verſteck oder offene Unter­ſtützung.

Kein Fürſt, der für die Zukunft feiner Herrſchaft Sorge Zi

1 Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß einzelne Fürſten, wie die Kur­

19 on der Pfalz und von Sachſen, die ihrer eigenen Städte durch­

Gegenfeß waren und von keiner Reichsſtadt bedroht wurden, dieſen

8 4 viel weniger empfanden, und vielleicht ſogar die Behinde­g anderer Fürſten durch die Städte nicht ungern ſahen.

Markgraf Albrecht Achilles I.