Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
472
Einzelbild herunterladen

472| Der Städtekrieg.

Wenige Jahrzehnte ſpäter indeß ſah ein großer Teil des reichsfreien Adels ein, daß die Fürſtlichkeit die größte Ge­fahr ihrer Selbſtändigkeit wäre, da klagten ſie:Dann ſo die gemein Ritterſchaft bei gleichem Recht und Billigkeit bleiben wolle, ſo müſſe fie ſich, wie dann längſt prophezeit ſei, zu den Städten tun und verbinden zu Handhabung, zu Schutz und zu Schirm.

f Das war die Stimmung, die Kaiſer Sigmund zur Ausführung ſeines hartnäckig verfolgten Planes gebraucht hätte, die Reichsſtädte und die Reichsritterſchaft zu einem ſtädtiſch⸗republikaniſchen Deutſchland in partibus mit einer Zentralgewalt darüber zuſammenzuſchließen.)

In der Mitte des 15. Jahrhunderts aber leitete noch die alte Nebenbuhlerſchaft, dietief eingefreſſene verderbliche Eiferſucht die Schritte des Adels.)

Die Intereſſengemeinſchaft des Adels und der Städte war damals auch keineswegs ſchon ſo offenſichtlich, als daß ſie imſtande geweſen wäre, auch die Widerwilligen von ihrer Not­wendigkeit zu überzeugen. ö

Je demokratiſcher ein Gemeinweſen regiert wurde, je mehr dort der Wille des Handwerkers und ſchlichten Mannes galt, um ſo weniger beſaß es Anziehungskraft auf die umwoh­nenden Edlen, um ſo mehr drängte es ſie an die prächtigen Höfe der Fürſten.

Niemals auch war die Angſt des Adels größer, als gerade damals, daß ihre BauernSchweizer werden wollten, und daß ſie wie die Bauern der eidgenöſſiſchen Waldgemeinden an

) Höfler, Betrachtungen uſw., Arch. f. Kunde öſterr. Geld IX, S. 187. Die Verſe Ulrichs von Hutten:Ihr frummen Stet nun habt in Acht, Des gemeinen deutſchen Adels Macht, Zieht den zu Eu vertraut ihm wohl, Ich ſterb wo's Euch gereuen ſzol. Vgl. Prie batſch, Die Hohenzollern und die Städte der Mark, S. 7, Anm. 1.

) Lamprecht, Deutſche Geſchichte, IV, S. 420.

) Leuthinger, Operum ed. Küſter, Tom. II, S. 1100 acmulatione pernicisiosa jamdudum recepta habent ci vitates conventus suos peculiares a congregatione ordinis equestris.