Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
486
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486 Der Städtekrieg.

Die Reiſigen, die Söldner aus Böhmen und der Eid­genoſſenſchaft wurden reichlich bezahlt und erhielten außer dem Solde oft Geldbelohnungen. Trotzdem bei dieſer großzügigen Finanzpolitik ſich die Barmittel langſam erſchöpften, konnte der Rat kurz vor Beendigung des Krieges noch über eine wei­tere Anwerbung von 2000 Söldnern mit der Tagſatzung der Eidgenoſſenſchaft verhandeln, nach dem Frieden die eidgenöſſi­ſchen Söldner neu kleiden, ſie, die Reiſigen und die böh­miſchen Fußknechte mit reichen Geſchenken entlaſſen.

Nach wie vor zahlte auch während des Krieges die Stadt­kaſſe nur 4 Prozent fürEwiggeld und 10 Prozent fürLeib­gedinge; nur gegen Ende des Krieges mußte die Annahme einer 4prozentigen Anleihe zwangsweiſe verfügt werden. Der wenig geſchwächte Kredit Nürnbergs iſt der ſicherſte Beweis für das unbedingte Vertrauen ſeiner Bürger zu dem endlichen glücklichen Ausgange des Kampfes.

Ein weiterer großer Vorteil war die Lage der Stadt. An eine Belagerung Nürnbergs konnte Albrecht bei ſeinem Mangel an großem Geſchütz und ſeiner für ſolche Aufgabe nicht ausreichenden Truppenmacht im Ernſte nicht denken. Die wenigen Schlöſſer, die der Stadt in der Umgebung gehörten oder unter ihrem Schutze ſtanden, waren bald erobert; die der Stadt pflichtigen Bauern hatten bereits vor dem Kriege ihre wertvollſte Habe hinter den Mauern Nürnbergs in Sicherheit gebracht. Von einem Mittelpunkte aus konnten dagegen uner­wartet während der ganzen Dauer des Krieges die Nürnberger Truppen nach allen Himmelsrichtungen ihre Beute- und Cr oberungszüge unternehmen.

Ob die Truppen ſiegreich oder geſchlagen zurückkehrten, im Bereiche der ſtädtiſchen Geſchütze waren ſie ſicher.

) Städte⸗Chron. II, S. 340. 0 4 Vgl. die Kurstabelle des Rentenguldens für die Jahre 144 bis 1497 bei Sander. Die reichsſtädtiſche Haushaltung Nürnbergs, S. 40%