Der Städtekrieg.
Er hat für ſein Ideal Opfer gebracht und gefordert.
Um die Macht des älteren zur Kurwürde berufenen Bru— ders nicht zu ſchmälern, hat er als junger Mann auf ſein nicht unbeträchtliches Erbe verzichtet. Als ihn aber dann der Tod des Bruders zur Regentſchaft berief, hat er während ſeiner Lebensdauer von ſeinem Neffen den Verzicht auf Kurwürde und Regierung verlangt. In dieſer Zeit, in der nichts mehr feſtſtand, alles in neuem Werden begriffen war, ſollte nicht der unerfahrene junge Mann, ſondern er, der ſich ſelbſt als ein Berufener fühlte, die Geſchicke des Landes leiten.
Um aber dem Neffen die ihm übertragene, dann durch ihn ſo weit gemehrte Macht ungeteilt hinterlaſſen zu können, hat Pfalzgraf Friedrich auf ebenbürtige eheliche Verbindung und Nachkommenſchaft verzichtet.
Ein ſo ſich ſelber ſicherer Fürſt mit ſo feſtem Willen mußte bald im eigenen Lande ſich durchſetzen. Die Willkür der Gefolgſchaft, das Freiheitsſtreben der aufblühenden Städte,
die Übergriffe benachbarter Gerichte, die Verſchlechterung der Münze hörten auf. Bot der Pfalzgraf in ſeinem Lande auf, ſo rüſtete jeder, keiner wagte ſich auszuſchließen. Rief er zu einer Ratsverſammlung, ſo hinderte ſelbſt die Biſchöfe von Speyer und Worms, die Herzöge von Simmern Veldenz, den Deutſchmeiſter nicht Amt, Rang und Würde, ſeinem Rufe
ſchleunig Folge zu leiſten.“)
Wie das Parlament damals ein gefügiges Werkzeug in der Hand der franzöſiſchen Könige war, ſo entſchied die von Irie; drich berufene Notabelnverſammlung alle ihr vorgelegten Fragen nach ſeinem Willen. Das ganze Volk aber wurde dur ſolche Entſcheidung für die von ihm gewünſchten Maß rege mit verantwortlich gemacht. Nach franzöſiſchem Muſter 0 dete der Pfalzgraf als erſter deutſcher Fürſt aus Einheimiſchen
ı) Wel. Gothei m, Die Landstände der Kurpfalz. Zeitſch. f
d. Geſch. d. Oberrheins N. F. III. S. 3—4.