Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
526
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526 Der Städtekrieg.

Geringſten ſähe er lieber als ſeinen Freund, denn als ſeinen Feind, ſo pflegte er gern zu ſagen. Ganz anders der Pfalz­graf. Des Markgrafen Leutſeligkeit fand er würde⸗ feine der­ben Scherze geſchmacklos. Hatte er ein Ziel, das er ſich geſteckt hatte, erreicht, oder hatte er den Feind, der ſich ihm entgegen­zuſtellen gewagt hatte, niedergeworfen, dann ſchien für ihn jede politiſche Tätigkeit aufzuhören. Niemand konnte ahnen, wie gründlich in Heidelberg neue Pläne erwogen und vorbe­reitet wurden. Aus dem Schloſſe kam nur Nachricht, wie höf­lich ein Dichter oder ein Sänger empfangen worden war, wie klug der Pfalzgraf ſich mit ſeinen Gelehrten über den Staat der Römer und der Griechen unterhalten hätte, wie er mit dem Kolben des Alchimiſten hantiere, oder mit ſeinen Aſtronomen die neuen Entdeckungen eines Feuerbach oder Regiomontan nachgeprüft habe.

Er, der ſo ſtrenge Geſetze gegen Unzucht und wilde Ehe für ſeine Untertanen erließ,) lebte ſelbſt in einer Gewiſſens­ehe mit der ſchönen und klugen Augsburgerin Klara Dettin.

So bildete ſogar das intimſte Familienleben des Pfalz­grafen einen Gegenſatz zu der glücklichen, kindergeſegneten Ehe des Markgrafen.

Charakter, Gedanken, Fühlen, Lebensführung der beiden Gegner war grundverſchieden. Ihre Energie und Zähigkeit war gleich.

Das Übergewicht des Pfalzgrafen beruhte darauf, daß er in der Konfliktzeit allein in ſeinem Lande gebot, während Albrecht mit ſeinen Brüdern die Macht teilen mußte.

Auch hatte der Pfalzgraf in den damals möglichen Gren­zen aus ſeinem Lande ein ſchwaches Abbild eines modernen Staates geſchaffen, in dem Edelmann, Bürger und Bauer ſi

) K. B. Reichsarchiv, Neuburger Kopialbuch X, S. 241243. ) Die Fürſten von Löwenſtein entſtammen dieſem am beſten mit morganatiſcher Ehe bezeichneten Bunde.