Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
550
Einzelbild herunterladen

550 Der Städtekrieg.

Tage gebeten würde, frei und ſicher im ganzen Reiche zu ge­leiten.)

Schon wenige Tage nach dem Exlaſſe der Verfügung be­gaben ſich die königlichen Kommiſſare, die am Hofe weilten, nach Salzburg. Von dort lud am 9. Februar die ganze könig­liche Kommiſſion die Parteien?) und viele neutrale Fürſten) und Städte zum 12. April nach München.

Während in den Nürnberger und Ansbacher Ratsſtuben die in ſchweren Bänden geſammelten Vergleichsvorſchläge, Ver­handlungsberichte und Streitſchriften mit Feuereifer durch­ſtudiert wurden, die feinſten Köpfe beider Parteien ſich vor­bereiteten, um den königlichen Geſandten die Hinterliſt und Gewalttat des Gegners, das eigene unzweifelhafte Recht, den heißen Wunſch nach einem Frieden in Ehren zu erweiſen, wurde der Krieg im Felde unbekümmert fortgeſetzt.

Graf Ulrich lag ſeit dem Beginne des Monats Februar wieder vor Eßlingen; bald ſtand im weitem Umkreiſe der Stadt kein Haus und kein Baum mehr. 130 Frauen und Mädchen hob der Graf als Geiſeln auf und brachte fie nach Stuttgart; 3 Wochen ſpäter ſandte er ſie mit abgekürzten Röcken nach Eßlingen zurück;) in die Weinberge der Stadt ließ er Ziegen­herden treiben, die die knoſpenden Reben abfraßen.) Nach ſeinem Abzuge rächten ſich die Eßlinger durch Verheerung des württembergiſchen Gebietes nach beſten Kräften.

1) Der Gebotsbrief, Bamberger Kr.⸗A., S. 1, K. 1, L. 3, Fasc. 2. Brief an die Neutralen, Janſſen, Reichskorreſpond. II, S. 105107. K. B. Reichsarch., Neuenburger Copialbuch, VIII, S. 252. Nürnberger Kr.⸗A., Relationenband 485, S. 201.

2) Bamberger Kr.⸗A., Märkers Katalog 1904, Nr. 111.

5) K. B. Reichsarchiv, Neuenburger Kopialbuch, VIII, S. 253.

) Ein Schimpf, der auf dem Lande Dirnen nach mehrfacher fruchtloſer Verwarnung angetan wurde. Vgl. Schultz, Deutſches Leben im 14. u. 15. Jahrhundert.

v. Martens, Geſch. der krieger. Ereigniſſe in Württemberg, S. 117-118;