Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
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Der Städtekrieg. 555

und Jobſt Tetzel den Herzog Otto von Bayern) auf, ihre Leute zu veranlaſſen, ſich ihren Eiden gemäß in der Stadt zu ſtellen. Der Rat drohte dem Markgrafen, keinen Gefangenen mehr zu beurlauben, bis nicht ſeine Mannen ihren Verpflichtungen nachgekommen wären. 5 Ha un

Auf dem Rathauſe ſchrieben ſich die Schreiber die Augen müde, um ſchnell überallhin den Sieg zu verkünden; immer handgreiflicher wurden ſelbſt in den offiziellen Berichten des Rates die Übertreibungen. Mit Verſchwendung einer blühen­den Phantaſie ſuchten die Nürnberger dem Waffenerfolg den Charakter einer Überrumpelung zu nehmen und ihm den einer Schlacht aufzuprägen.

In der Tat waren vor Beginn des Kampfes die Ausſich­ten der Nürnberger auf einen Erfolg außerordentlich günſtig geweſen. Sie kannten Zeit und Ort des Zuſammentreffens im voraus und hatten ſich bis ins Einzelne ihren Angriffsplan überlegt; ſie wußten die Truppen des Gegners unvorbereitet, bei einer ermüdenden Beſchäftigung zerſtreut. Selbſt im Falle ihr Angriff gegen alles Erwarten mißlang, galt es für die Nürnberger Reiſigen keinen Kampf auf Leben und Tod; ſie konnten ſich auf das nachrückende, dem Gegner vielfach über­legene Fußvolk zurückziehen.

Von dem erſten Tage nach der Schlacht an zeigten alle Nürnberger Berichte das Bemühen, dieſen klaren Tatbeſtand zu verdunkeln.

Am Schlachttage ſchon betonte der Führer der Nürn berger Reiſigen Jobſt Tetzel in ſeinem Briefe an ſeinen Schwager Geuder, Markgraf Albrecht hätte ſeine Reiterge­ordnet und geſchickt und die Markgräflichen hätten mit großem Geſchrei die Nürnberger angeriffen.

Dieſe Schilderung entfernt ſich noch nicht allzu ſehr von der Wahrheit, denn immerhin iſt es nicht unmöglich, daß die

1) Nürnberger Kr.⸗A., Briefbücher XX. S. 373.