Der Städtekrieg. 557
Schilderung der einmal geweckten Eitelkeit noch lange nicht genug.
Auch aus dieſer Darſtellung ging nicht izwelfelhäft genug hervor, daß der Markgraf in keiner Weiſe überraſcht worden war. Nur wenn er ſelbſt den Kampf geſucht hatte, war ſein Ausgang für die Nürnberger ohne Einſchränkung rühmlich. Ferner ſagten ſich die ehrwürdigen Ratsherren nicht ohne Recht, daß einſt ihre Enkel und Enkelkinder mit großem Intereſſe in den Kriegsberichten ſuchen würden, welchen gewichtigen Anteil an dieſer großen Schlacht gegen den 1. grafen ihre Altvorderen genommen hätten.
Aus ſolchen Motiven wurden dann ein neuer 5 1 licher Schlachtbericht verfaßt und in den alten Kriegsbericht eingeklebt, der der Phantaſie und der Unverfrorenheit ſeines Verfaſſers alle Ehre macht. Erhard Schürſtab hatte ungefähr in der gleichen Abſicht wie ſein Freund Muffel ſeine Aufzeichnungen gemacht:„Nicht von Ruhmes wegen, denn es ſtreflich iſt, ſich zu rühmen, ſondern allein daß ſeine Kinder daran einen Spiegel haben.“) N
So wirkt, was die beiden Männer zu ihrem und ihrer Vaterſtadt Ruhme erzählen, ja ſelbſt ihre kleinen Eitelkeiten weder aufdringlich noch abſtoßend. Ganz anders iſt die Art des neuen Berichterſtatters. Er erzählt: Mit vielen Grafen, Herren und Rittern wäre der Markgraf zum Pillenreuter Weiher gezogen. Von dort aus hätte er der ehrwürdigen Stadt Nürnberg Botſchaft getan, daß er begonnen hätte, den Weiher auszufiſchen. Höhnend habe er den Rat erſucht, Mannſchaft nach Pillenreut zu ſenden, um ihm bei dem Fange und dem Verzehren der Fiſche zu helfen. 8
Darauf hätte der Bürgermeiſter Erhard Schürſtab und zehn Altbürgermeiſter, die natürlich alle namhaft gemacht ſind, beſchloſſen, die ene anzunehmen; ſie hätten
1) Städte⸗. XI,& 748749.