Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
598
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598 Durch Kampf zum Frieden.

helm ſelbſt willigte in eine Zuſammenkunft ſeiner Räte und ſeiner Landſchaft mit denen ſeines Bruders.

Kurfürſt Friedrich fühlte ſich durchaus als der Stärkere; er weigerte ſich, Schloß Nebra, wie er es nach dem Spruche der Schiedsrichter verpflichtet geweſen wäre,) feinem Bruder her­auszugeben. Auch lehnte er es, trotzdem er ſich ausdrücklich dazu verpflichtet hatte,?) unter nichtigen Vorwänden ab,) ſich mit der Morgengabe, die Herzog Wilhelm ſeiner Gemahlin verſchrieben hatte, einverſtanden zu erklären. Da er ſelbſt keine ernſten Beſchwerden gegen den Bruder hatte, nahm er ſich der Klagen des Biſchofs und der Stadt Naumburg an.

Der Biſchof beſchwerte ſich, daß der Herzog einige Ge­richte, die er vom Stifte zu Lehen trüge, als ſein Eigentum behandelte; die Stadt Naumburg fühlte ſich durch den hohen Zoll, der auf ihr Bier im thüringiſchen Lande erhoben wurde, geſchädigt.

Eine Einigung kam auf dem Zeitzer Tage,) der am 29. Dezember 1449 begann, trotz der eifrigen Bemühungen des Erzbiſchofs von Magdeburg') nicht zuſtande, da der Kur­fürſt die früheren ihm ungünſtigen Schiedsſprüche für nichtig

1) Dresdener St.⸗A., Urk. 7066 a. Schiedsſpruch des Markgrafen Albrecht und des Landgrafen Ludwig von Heſſen, 6. 1 1448.

2) Dresdener St.⸗A., Kop. 36, S. 19.

3) Dresdener St.⸗A., Kop. 36, S. 125. Kurfürſt Friedrich ver­langte einen Revers des römiſchen Königs, daß ihm aus dieſer Be­willigung kein Schaden entſtehen würde. Herzog Wilhelm hatte die Vergebungen des Kurfürſten an ſeine Gemahlin ſtets anſtandslos be­willigt. Vgl. Dresdener St.⸗A., Kop. 36, S. 125, auch Chmel, Mate­rialien I. S. 123, Nr. XXIX und die Verpflichtung des Kurfürſten. Müller, Entdecktes Staatsarchiv IV, S. 212.

) Val. Braun, Naumburger Annalen ed. der, S..7072

°) Dresdener St.⸗A., Kop. 36, S. 121122, Die Friedbrüche im Vogtland bei Schmidt. Die Zerſtörung der Stadt Gera S. 314 ff.

) Dresdener St.⸗A., Kop. 36, S. 123.