Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
604
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604 Durch Kampf zum Frieden:

Hielt der Bruder ſeine Räte ſo ſchlecht im Zaum oder wagten ſie mit ſeinem Willen ſolch frechen Bruch des Zerbſter Verſprechens?

Nicht lange unterſuchte der Kurfürſt, nicht kümmerte ihn des Bruders feierliche Abmahnung;) kurz entſchloſſen drang er mit einem Heere von 18 000 Mann durch die Saalepäſſe in Thüringen ein.)

Aber das Bündnis des Bruders beſtand die Probe beſſer wie vorher das ſeine. Markgraf Friedrich ſagte dem Kurfürſten ſofort ab') und nahm das Schloß Brück.

Markgraf Albrecht, der eben mit Nürnberg einen Waffen­ſtillſtand abgeſchloſſen hatte, bot ſeine Ritterſchaft von neuem auf. Das letzte Opfer verlangte er von ihr:ſonderlich, ſo ſchrieb er,weil die armen Leute ſolcher Maßen abgebrannt auch ihr Vieh und ihre Pferde genommen und ſie ſo gar ent­blößt ſind, daß nichts mehr aus ihnen zu bringen iſt, daher man billig diesmal ein mitleidenliches Einſehen haben müſſe.)

Schon am 18. Juli war Albrecht mit ſeinen Reitern bei Herzog Wilhelm.) f

Die Waffenhilfe, die ihm einſt der Herzog gegen Nürn­berg geleiſtet hatte, vergalt ihm jetzt Albrecht nach beſten Kräf­ten; Trabanten, Reiſige und eine Wagenburg führte er dem

1) Dresdener St.⸗A., Kop. 36, S. 136. Von Jena aus forderte Herzog Wilhelm alle Diener ſeines Bruders auf, dieſen zu mahnen, den Zerbſter Waffenſtillſtand zu beachten; weigere der Kurfürſt ſich, fo fol ten ſie ihn verlaſſen.

) Schmidt, Die Zerſtör. d. Stadt Gera im ſächſ. Bruderkriege a. a. O., S. 317.

3) Dresdener St.⸗A., Kop. 36, S. 149151. K. B. Reichsarch Jasc. 25, Nr. 242.

) Weimarer Geſamtarch., Burkharts Urkd.⸗Buch Nr. 4. 5) K. B. Reichsarchid, Fürſtenſachen XXV, Nr. 242.