Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
606
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606 Durch Kampf zum Frieden.

ſitze auf den böhmiſchen Thron geführt. Sein unſchönes Ant­litz, ſeine kleine Geſtalt erzwangen nicht Ehrerbietung; ſelbſt ſeine perſönliche Tapferkeit wagten die Päpſte in ihren Aus­ſchreiben anzuzweifeln.;

Er war weder ein bedeutender Feldherr, noch ein guter Redner; ja, er war geradezu ungebildet. Der Kurfürſt des Reiches ſprach kein Wort deutſch, dagegen verſtand er ein wenig Latein. a

Auch wußte er nicht durch fürſtliche Freigebigkeit ſich Freunde zu gewinnen oder zu erhalten. Er hatte ſelbſtdas Geld lieb und Gregor Heimburg, der indeß ſeine Dienſte ſtets recht hoch zu werten wußte, warf ihm geradezu Geiz. vor. Die Sorge um die ungeſicherte Zukunft ſeiner Angehörigen zwang freilich Podiebrad zur Sparſamkeit.

Denn er war ein beſorgter Familienvater, ein treff­licher Verwalter des eigenen Beſitzes, wie des ganzen Landes. Einer von den klugen Männern, die erſt wägen, bevor ſie wagen. War aber ſein Plan bis in das Kleinſte vorbereitet, jede Möglichkeit berechnet, dann griff er ſchnell und energiſch zu. Ehe der Gegner ſich auch nur von dem erſten Schrecken erholen konnte, traf ihn Schlag auf Schlag.

Immer ſuchte Podiebrad ſeine Feinde auch moraliſch in das Unrecht zu ſetzen; zu ſolchem Zwecke war ihm jede Lüge, jede Entſtellung recht.:

Aber offene Gewalttat und unverhüllten Rechtsbruch mied er ſelbſt dem Schwächeren gegenüber; nie hat er im Jähzorne Menſchenblut vergoſſen.

Schien ihm zur Erreichung ſeiner politiſchen Ziele die Beſeitigung eines Menſchen notwendig, ſo wählte er lieber den Meuchelmord.

Er beſaß die Macht, die Tat, ja ſelbſt die Mitwiſſer­ſchaft um die Tat mit Erfolg abzuſtreiten.

16 0 Um ein warnendes Beiſpiel aufzuſtellen, iſt er ein einziges Mal von ſeinen Grundſätzen abgewichen; immer­