Durch Kampf zum Frieden.
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und nicht allzu ſchwer war es deshalb für ihn eine Toleranz zu üben, die ihm ſpäter ſo reiches Lob eingetragen hat.
Gegen Sekten, die von der durch Rokyzana ausgelegten Lehre des Huß abwichen, hat er wahrlich keine Duldung bewieſen.“)
Im Grunde waren ihm wohl alle kirchlichen Streitigkeiten gleichgültig; er hat den huſſitiſchen Fanatismus, wie den katholiſchen Bekehrungseifer, gleichmäßig für ſeine Zwecke ausgebeutet.
Er war ein rückſichtsloſer Streber, der die hochfliegendſten Pläne ſchmiedete und die Mittel kleinlichſter Intrige doch nie verſchmähte.
Kein Eid band ihn, ihm lebte kein Freund, den er nicht einmal verraten hätte.
Und doch hat dieſes Mannes Leben bis zu ſeinen letzten Tagen viel Liebe vergoldet.
Das Herz ſeines Volkes ſchlug ihm entgegen, weil es inſtinktiv fühlte, daß er ein willensſtarker Führer, ein geborener Herrſcher war; wohl auch weil er nicht der Sohn eines fremden Fürſtenhauſes, weil er ein Mann aus ihrer Mitte war, ein Böhme und ein Huſſit; in ihm ehrte das Volk ſich ſelbſt.
Viele charaktervollere Männer, manchen weit begabteren Feldherrn als Podiebrad, hatte die böhmiſche Nation hervorgebracht, keiner jedoch ſchien ihr befähigter, ihrem gewaltigem Triebe nach Macht die Wege zu weiſen, keiner mehr berufen, ihre ſtaatliche Unabhängigkeit zu wahren, ihre kirchliche zu ertrotzen.
Gegen„den alten Feind und Verderber der Krone und des Königreiches,“ den Kurfüſten von Sachſen, bewies
) Er wolle gegen Tabor ziehen, ſo ließ er ſagen,„von der böſen Pfaffen wegen, die gar nichts halten nach Ordnung der heiligen Kirchen an Gott glauben, die zu ſtrafen.“ Nürnberger Kr.⸗A., Ansbacher Kriegsakten, Fasc. II, S. 12, 1/8, Prod. 24.;
0 222 CE ap