Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
618
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618 Durch Kampf zum Frieden.

günſtigem Vergleiche einen Vorbehalt aufnehmen, der den ganzen Vertrag wertlos machte. Herzog Wilhelm machte die Gültigkeit des Vertrages davon abhängig, daß es ſeinen und Markgraf Albrechts Bemühungen gelingen würde, die ihnen verbündeten Böhmen von dem geplantem Zuge gegen Meißen zurückzuhalten.

Nach den Erfahrungen, die Herzog Wilhelm mit der Vertragstreue ſeines Bruders gemacht hatte, war ihm das beſchworene Bündnis mit den Böhmen wertvoller als der vorteilhafteſte Vergleich mit dem Kurfürſten.

Am gleichen Tage, an dem in Klein Jena, die Ver handlungen zum Abſchluß kamen, war Georg Podiebrad mit mehr als 20 000 Mann!) aus Prag gezogen.)

Nach einem kurzem Gefechte bei Brüx, wandte er ſich gegen Düx und Oſſeg. Dort traf ihn die Nachricht, daß die Boten Herzog Wilhelms und Markgraf Albrechts ihm ein dringendes Anliegen ihrer Herren vorzutragen wünſchten.)

Podiebrad, der ſchon wußte,) worin das Anliegen beſtand, weigerte den Geſandten das Geleit, bis er mit ſeinem Heere über den Böhmerwald gezogen wäre und in Meißen ſtände. 5

Podiebrad war ausgezogen, den Kurfürſten zu züchti­gen, der ſolange den Rückhalt ſeiner Feinde in Böhmen ge­bildet hatte; nicht um fremden Vorteiles willen pflegte er ſeine Entſchlüſſe zu ändern.

So war der Vertrag zwiſchen den feindlichen Brüdern von neuem zerriſſen; wohl bemühten ſich Herzog Wilhelm und Markgraf Albrecht auch weiter dem Kurfürſten mit den

1) Stolle, a. a. O., S. 37.

2) Palacky, Geſch. v. Böhmen, IVa, S. 244.

) Riedel, Cod. dipl. II, 4, S. 439. In Nürnberg war die Nachricht vom Auszug Podiebrads ſchon am 13. September bekannt. Nürnberger Kr.⸗A., Briefbücher XXI, S. 9596.

% Bachmann, Font: ter. austr. 42, S. 7273.