Durch Kampf zum Frieden.} 621
büßen; entſetzlich hauſten vor allem die Böhmen.„Sie verſchonten Niemand, weder geiſtlich noch weltlich, weder Gotteshäuſer noch Prieſter, weder Jungfrauen, Frauen noch Kinder.“ Alles Wertvolle, ſelbſt Kirchengerät und Kirchenglocken, brachten fie auf ihre Wagen.“){ 10
Viele hundert Gefangene wurden gemacht, unter ihnen Heinrich von Gera,) Hans von Dohna, Burggraf Hans von Kirchberg, Graf Wilhelm von Orlamünde, Kunz von Kaufungen.“|
In Eilmärſchen war Kurfürſt Friedrich herangeeilt, um Gera zu entſetzen; doch der Sturm auf die Stadt war ſo ſchnell gelungen, daß ihm ihre Rettung unmöglich geworden war.“) Auf die Kunde von dem Herannahen des Kurfürſten, rückten die vereinigten Heere ihm entgegen; doch der Kurfürſt lehnte die Schlacht ab, ohne die trefflichen Männer, die in Gera gefangen genommen worden waren, mochte er den Entſcheidungskampf nicht wagen.\
Das furchtbare Unglück, das Gera getroffen hatte, war von einem Glücksfalle begleitet, deſſen Bedeutung anfäng
7) Hartung Kammermeiſter a. a. O., S. 1204.
) Stolle, a. a. O., S. 38 erzählt, Heinrich von Gera habe ſich nur dem Podiebrad ergeben wollen. Er habe erklärt, ſich lieber töten laſſen zu wollen, als Gefangener Herzog Wilhelms zu werden. Allzu wahrſcheinlich iſt dieſe Anekdote nicht, da wohl nach den in Wunſiedel getroffenen Vereinbarungen auch die Gefangenen, wie alles gewonnene Gut, unter den Verbündeten verteilt wurden gemäß ihrer Anzahl„wehrlicher Leute“, die an dem Sturm teilgenommen hatten.|
) Palacky, Geſch. v. Böhmen, IVa, S. 245—246, Schmidt, Zerſtörung der Stadt Gera, S. 329.
) Den Vorwurf der Feigheit, den Stolle a. a. O. S. 38 gegen den Kurfürſten erhebt,„er hätte die Stadt Gera wohl gerettet, hätte er gewollt“, iſt unberechtigt. Vgl. das Schreiben Peter von Sternbergs, Palacky, Geſch. v. Böhmen, IVa, S. 245246. Auch Bachmann, Dont rer, II. 42, S. 78. Mathias Schlick ſchreibt den Egerern am Oktober:„Mein gnediger Herr hat aufgeboten und meint die Böhmen mit der Hilfe Gottes zu beſtreiten.“ WON