Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
636
Einzelbild herunterladen

N

656

Es läßt ſich ermeſſen, welche ungeheure Perſonalkenntnis Heimburg in dieſen verſchiedenen Dienſten gewinnen mußte; kaum ein anderer Staatsmann im Reiche konnte weit verzweig­tere Verbindungen haben, keiner die Geheimniſſe der Kanzleien genauer kennen, keiner die Eiferſüchteleien und Wünſche der fürſtlichen Höfe beſſer in Rechnung ſtellen, wie er.

Obgleich Heimburg ſeine Auftraggeber in den verſchie­denſten ſtaatsrechtlichen Fragen vertreten hat, ſo hatte er, wie faſt alle römiſchen Juriſten der damaligen Zeit, eine beſondere Spezialität. Wer bei der Kurie etwas ertrotzen wollte, wer ihr eine Forderung abſchlagen wollte, wer ſich von ihr bedroht glaubte, der berief Heimburg in ſeine Dienſte.;

In den letzten Jahren ſeines Lebens hat es einige Male faſt den Anſchein, als ob ihn manche Fürſten hauptſächlich des­halb angeſtellt hätten, um ſich bei einer ſpäteren Einigung von der Kurie ſeine Entlaſſung abdingen laſſen zu können.

Heimburg hatte als geiſtiger Führer der Neutralitäts­partei auf dem Baſeler Konzile die Schäden und Schwächen der Kirche auf das Genaueſte kennen gelernt.

Aber nicht wie Carvajal, Cuſa und Ceſarini hatte in ihm ſolche Kenntnis den Wunſch geweckt, nach ſeinen Fähigkeiten an dem ſo notwendigem Reformwerke mitzuarbeiten; ihm bedeu­teten ſeine Erfahrungen nur eine ſchier unerſchöpfliche Ein­nahmequelle.

Freilich nicht immer geſtattete ihm ſein Dienſt, den ſtarren Bekämpfer kirchlicher Auswüchſe zu ſpielen und ſo ſinkt manches Mal die Maske von ſeinem Geſichte. f

Nicht nur in einzelnen vertraulichen Briefen lernt man Heimburg ſo kennen, auch ſeine Taten ſtrafen ihn Lügen.

Niemand hat mit herberen Worten die Schande deutſcher Fürſten gegeißelt, die für Geld und Privilegien ihre kirchliche Neutralität dem Papſte verkauften; aber als Rat des Biſchofs von Würzburg hat Heimburg an ſolchem Schachergeſchäfte ſelbſt teilgenommen. Als Abgeſandter Herzog Wilhelms von Sachſen