Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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Durch Kampf zum Frieden.

Konnte er ſeine Zuhörer durch eine kühne Behauptung, durch einen fremdartig klingenden Vergleich verblüffen, ſo gal­ten ihm tatſächliche Richtigkeit oder auch ſelbſt nur der Ruf ſeines kritiſchen Geiſtes wenig.)

Einen zweiten Sardanapal nannte er den braven, nüch­ternen, recht eigentlich bürgerlichen König Friedrich. Als Bei­ſpiel für den Ton, in dem Heimburg mit ſeinen Gegnern ver­kehrte, iſt dieſer Ausſpruch noch milde; ganz andere Schimpf­wörter ſtanden dem jähzornigem Manne zur Verfügung. Der Kardinal Cuſa hatte ihn in einer Streitſchrift weniger höflich, wie bezeichnend einenWortverkäufer genannt; Heimburg, nennt den Kardinal dafür einenLügenſack, Eſel, Überläufer der Jurisprudenz, theologiſche Frühgeburt und bezichtigt ihn intimen Verkehres mit Dämonen.

Konnte Heimburg den Gegner durch die Macht ſeiner Gründe, ſeinen Scharfſinn, ſeinen ausgezeichneten Vortrag nicht widerlegen, dann war ihm auch das kleinlichſte Klopf­fechterkunſtſtück nicht zu ſchlecht, um die Lacher auf ſeine Seite zu bringen; ſo ahmte er einmal im Gerichtsſaale das Geſchrei eines Eſels nach, um Dr. Knorr lächerlich zu machen.)

Solches Benehmen ſchien ihm derb und natürlich, mit be­ſonderer Vorliebe mimte er überhaupt den kernigen deutſchen Mann, der auf Nußerlichkeit keinen Wert legt, den dafür aber Stolz und derber Unabhängigkeitsſinn zieren, dem welſches Weſen, welſche Lüge und Phraſe) im tiefſtem Grunde ver haßt ſind.

1) Für dieſe Behauptung ließen ſich viele Belege aus faſt allen Reden Heimburgs anführen. Dagegen ſagt Voigt,Die Wiederbelebung des klaſſiſchen Altertums II, S. 286, in ſeinem Panegyrikus auf Heim burg: Die eitle Nachahmungsſucht der Italiener erfaßte ihn nicht, den Sprung von der nüchternen Wirklichkeit zum blendenden Scheine kann er nicht über ſich bringen.

2) Frieſe, Chron., S. 842.

S 81 Aus der Charakteriſtik Heimburgs, G. Voigt, Enea Silvio, II.

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