Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
640
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640 Durch Kampf zum Frieden.

Nie war die Demagogenpoſe Heimburgs unangebrachter und würdeloſer, als in dieſen Tagen.

Nur die unausſprechliche Verachtung, die Heimburg gegen jeden Andersdenkenden oder Fühlenden, vor allem gegen jeden offenen Gegner hegte, laſſen ſeine Aufführung verſtehen, Wer ihm entgegentrat, war in ſeinen Augen ein Dummkopf oder ein Schurke; viele ſeiner Gegner, vor allem der nach ſeiner Anſichtgutmütige, aber dumme Rudolf von Rüdesheim haben ihm bewieſen, wie wenig er ſie zu beurteilen verſtan­den hat.)

Aber gerade dieſe Verachtung der ſeinem Wollen ent­gegenwirkenden Kräfte, die Überſchätzung der eigenen Perſon hat ihn zu jener Tat geführt, die ihn über ſeine Genoſſen weit hinaushob.

Wenn ein Einzelner es unternimmt, das lebende Recht den überlebten oder angemaßten Anſprüchen ſelbſt einer tau­ſendjährigen, ehrwürdigen Einrichtung entgegen zu ſtellen, wenn er den Kampf gegen eine unendliche Übermacht aufzu­nehmen wagt, ſo wird ſolche prachtvolle Tapferkeit ihm ſtets Freunde werben, die nach der formalen Berechtigung des Streites wenig fragen, die ſelbſt eine zornige und leidenſchaft­liche Kampfesweiſe nicht abſtößt.

Auf Grund vergilbter und vergeſſener Urkunden hatte Nikolaus Cuſa, Biſchof von Brixen, an Herzog Sigismund von Oſterreich Anforderungen geſtellt, deren Durchſetzung den Herzog zum Lehensmanne des Biſchofs gemacht hätte.?) Papſt

1) Vgl. auch Bachmann, über König Georg von Böhmen und Gregor Heimburg, Mitteilungen des Vereins für Geſch. der Deutſchen in Böhmen, Bd. XXXV, S. 147.

) Wenngleich Herzog Sigismund ſeine landesfürſtlichen Rechte früheren Biſchöfen gegenüber zu weit ausgedehnt hatte, ſo maßte ſich der Kardinal ſofort nach ſeiner Wahl ihm in keiner Weiſe zuſtehende Rechte an. Vgl. Jäger, Der Streit des Kardinals Nikolaus von Cuſa mit Herzog Sigismund von Oſterreich, S. 20 und S. 56, S 287 bis 240.