Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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644 Durch Kampf zum Frieden.

ein aufrechter Proteſtant und ein grundgelehrter Deutſcher war.)

Nie iſt jedes Schmeichelwort, das den Romanen allzu raſch auf der Zunge ſchwebt, genauer gewogen und zu leicht be­funden worden, und ſelten nur hat ein Hiſtoriker mit mehr Gründlichkeit und weniger Humor die Liebesabenteuer eines Helden unterſucht und ihre Abſcheulichkeit dargetan.?)

Das Geſchlechtsleben eines Mannes iſt weder der ſicherſte noch der wichtigſte Maßſtab ſeiner Sittlichkeit.

Nach der Schilderung ſeines Zeitgenoſſen Platina war Aeneas von kleiner, unterſetzter Geſtalt; ſeine früh ergrauten Haare gaben ihm ſchon im Mannesalter ein greiſenhaftes Aus­ſehen. Die vorſpringende Stirn, das ernſte, kluge Auge, die

1) Voigt, Enea Silvio de Piccolomini. Weitere Arbeiten über Aen. Silv. ſtellt zuſammen: Weiß. Aeneas Silvius Piccolomini a. Papſt Pius II., S. 2, Anm. und ſpäter Meuſel, Enea Silvio als Publiziſt, Unterſuchung zur deutſchen Staats- und Rechtsgeſchichte, Heft 77, S. 1, Anm. 1. Bei beiden nicht angeführt Markgraf, Das Verhältnis des Königs Georg von Böhmen zu Papſt Pius II., Riedel, Zur Beur­teilung des Enea Silvio, Monatsbericht der Berl. Akademie 1867. Hagenbach, Erinnerungen an Aeneas Silvius Piccolomini, Baſel 1840. Heinemann, Aeneas Silvius als Prediger eines allgemeinen Kreuzzuges gegen die Türken. Programm des Karlsgymnaſiums Bern­burg 1855. Cugnoni Aeneas Silvii Piccolomini Senensis qui postea fuit Pius II. eto. Opera inedita Atti della R. Academia Dei Lincei 18821883, S. 319686. Wolkan, Der Briefwechſel des Eneas Syl­vius Piccolomini, Font. rer. austr. LXI. Die der Schilderung Voigts entgegengeſetzten Beurteilungen bei Paſtor, Geſch. d. Päpſte, S. 328, Anm. 2. Nicht ganz recht hat Vahlen(Laurentii Vallae. Opuscula tria, Sitzungsber. der kaiſ. Akad. d. Wiſſ., LXI, S. 371), der Voigt zum Vorwurf macht:Er wäre immer geneigt, das Schlechtere von dem Menſchen für wahr zu halten. Das iſt nicht richtig, wie vor allem Voigts Beurteilung Gregor Heimburgs zeigt. Nur iſt Voigt, ſo ehrlich er ſich meiſt dagegen wehrt, romaniſches und orthodox⸗katholiſches Weſen recht von Herzen unſympathiſch und nicht immer verſtändlich.

) Janſſen, An meine Kritiker, S. 141145. Paſtor, Geſch. d. Päpſte, I, S. 330, Anm. 1.