Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
645
Einzelbild herunterladen

Durch Kampf zum Frieden. 645

ein wenig gebogene Naſe prägen in das Geſicht einen Ausdruck von Energie und Überlegung.)|

Des Lebens Stürme hatten den Aeneas früh aus der Heimat gejagt und ihn weit und lange in der Fremde umher­getrieben. Der feurige Italiener, der junge Edle aus altem, aber verarmtem Hauſe, der die Worte ſo zierlich zu ſetzen wußte, mag manchem Mädchen im Brittenlande wie in der Eidgenoſſen­ſchaft, in den Reichsſtädten wie in Sſterreich ein lockendes Rätſel geweſen ſein.

Seine Abenteuer und Erfolge haben in Aeneas Silvius wohl den Glauben an die unbedingte Notwendigkeit der Liebe geſtärkt, nicht aber ſeine Hochachtung vor den Frauen gemehrt.

Wer nie das Feuer der Liebe gefühlt, iſt ein Stein oder eine Beſtie, ſo meint er. Als der Gipfel der Torheit erſcheint es ihm,die Katze im Sack zu kaufen. Er iſt überzeugt, daß es zu herben Enttäuſchungen führen müſſe, wenn ein Mann eine Frau eheliche, die er vor der Hochzeit nicht beſeſſen hätte. Nicht die tugendſame Hausfrau, die rüſtige Gefährtin des Mannes ſieht er im Weibe; ihm iſt es ein angenehmes, aber höchſt gefährliches Spielzeug.

Zwiſchen der durch Abgründe getrennten germaniſchen und orientaliſchen Auffaſſung vom Weibe bildet die des Ro­manen die Brücke.

Auch dieLascivität in den Briefen und Schriften des Aeneas ſollte man deshalb nicht allzu hart ſchelten. Es iſt eine Binſenwahrheit, daß der junge, gebildete Romane von ſeinen galanten, obscönen Abenteuern mit derſelben Harm­loſigkeit ſpricht, wie mancher deutſche Student von einem in der Trunkenheit begangenem tollen Streiche.

Im Alter hat Aeneas auch gegen ſeine erotiſchen Schrif­ten und Briefe Verdammungsſchreiben gerichtet. Aber noch klingt in ihnen ein Erinnern an heiße Liebesnächte, an dur­

; 1) Ein gutes Bild des Papſtes, abgebildet im Jahrb. d. Kunſt­hiſtor. Samml. d. Allerhöchſt. Kaiſerhauſes, XVII, S. 137.|