646 Durch Kampf zum Frieden.
{tige Frauenlippen, ein leiſes Bedauern, daß„der Leib, mit Runzeln gefurcht, keine Wolluſt mehr wecken, keine mehr gewähren könne“.
Wer ſolches Geſtändnis vorausſchickt, will und wird keine Gläubigen finden, wenn er predigt:„Nach einem Weibe das andere lieben, was heißt das mehr, als aus einem Feuer in das andere ſpringen?“
Trotz aller antierotiſchen Schriften und Widerrufe hat ſich die Anſchauung des Aeneas Silvius über des Weibes Wert!) niemals geändert, wenngleich er als Papſt anerkannte,„daß Frauen williger wären als Männer, ſich der Herrſchaft der Kirche und der Prieſter zu fügen.“
Mit weit größerer Entſchiedenheit und zweifellos aus wirklicher Überzeugung hat Aeneas Silvius die kirchlichen Anſichten, die er in ſeiner Jugend vertreten, ſpäter widerrufen.“)
Kurz nach der Eröffnung des Konziles, kaum 27 Jahre alt, war er als Sekretär eines entſchiedenen Papſtgegners nach Baſel gekommen. In der gleichen Stellung trat er dort nacheinander in die Dienſte von Prieſtern aller Parteien.
Aus der Menge ſeiner Kollegen hob ihn ſeine Bildung, ſeine Klugheit, ſeine Rednergabe. Es war eine ungewöhnliche Auszeichnung, daß er als Laie in der wichtigen Frage der Konzilsverlegung in öffentlicher Sitzung Vortrag halten durfte. Damals rief er den verſammelten Vätern noch zu:„Ihr dürft
1) Wolkan, Der Brieſwechſel uſw., Font. rer. austr. LXI, S. 444.
2)„Irren iſt menſchlich; ſeine Irrtümer einſehen und bereuen galt ſonſt immer für Charakterſtärke, und eine ſittlichen Zwecken dienende Geſchichtsſchreibung ſollte ſich hüten, dieſelbe als unſühnbare Schuld anzurechnen,“ ſchreibt mit Recht Röhrbacher⸗Knöpfler, Univerſ.Geſchichte der kathol. Geſch. XXIII, S. 219, wenngleich er den Satz mehr auf die ſittlichen Verfehlungen des Aeneas bezieht. Aeneas ſelbſt ſchreibt in ſeiner erſten Retractation:„Recht ſchlimm ſtände es um uns 1 5 wenn wir unſere Vorſätze und Meinungen niemals ändern ürften.“