Durch Kampf zum Frieden. 651
Sturm verſchlagen; Paſſagiere und Beſatzung ſahen den ſicheren Untergang vor Augen. Das Gelübde, das Aeneas in der Gefahr abgelegt hatte, hielt er als das Schiff im Hafen glücklich eintraf.{
In der bitteren Winterkälte wallfahrtete er auf hartgefrorner Erde zehntauſend Schritte weit nach einer Kapelle der heiligen Jungfrau. Die furchtbare Marter brachte ihm die Gicht, an der er von nun an litt.
Die Einladung des Schiffsherren, die Rückreiſe mit ihm anzutreten, lehnte er ab. Nicht weit von der Rhede , vor den Augen des Aeneas , kenterte das Schiff in einem plötzlich ausbrechendem Sturme.
Noch ein anderes Mal wurde er wie durch ein Wunder vom Tode gerettet.
Er erkrankte in Baſel an der Peſt und ward bereits totgeſagt; doch war er einer der Wenigen, die ſich wieder erholten.„Deum colit, qui novit“, Gott erkennen, heißt ihn verehren, lehrt Seneca .
Seine Verfehlungen gegen das ſechſte Gebot drückten ihn aber trotz ſeiner Frömmigkeit nicht allzu ſchwer.„Wer iſt ſo gerecht, daß er nicht täglich ſieben Mal fiele?“
„Mag der Heuchler ſchwatzen, als ſei er ſich keiner Schuld bewußt, ich weiß kein Verdienſt in mir; allein die göttliche Gnade macht mir Hoffnung auf Erbarmen,“ ſchrieb er damals.
Schon dem Laien war das Gebet nicht eine Verſicherungsprämie gegen die Exiſtenzmöglichkeit Gottes, ſondern ein tiefes Bedürfnis.
Daß Aeneas Silvius trotz allem, was er in Baſel und auf ſeinen Reiſen geſehen hatte, nie ſeinen Glauben an die Heiligkeit des Prieſterberufes verloren hat, iſt der ſicherſte Beweis ſeiner echten Frömmigkeit. Der Ehrgeizige konnte ſich trotz der großen Ausſichten, die ſich ihm in Baſel und Neuſtadt boten, nicht entſchließen, in den geiſtlichen Stand