Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
717
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Durch Kampf zum Frieden. 717

her nicht geſchehen wäre, erſuchte er den Gerichtshof, durch Beſchluß eine dem Stande ſeines Herrn angemeſſene Vor­ladung verfügen zu wollen.

Dagegen führte Heimburg aus, daß nach dem letzten Gerichtsbeſchluſſe der König verpflichtet wäre, jetzt das Urteil zu verkünden; unter keinen Umſtänden könnten alle bisherigen Gerichtsbeſchlüſſe, die in der Sache ergangen wären, als nichtig erklärt und der Prozeß wieder von neuem begonnen werden.

Nach längeren Verhandlungen teilte der Kaiſer mit, daß er am nächſten Tage ſeinen Beſchluß verkünden wollte.)

Die Nürnberger entfernten ſich aus dem Verhandlungs­ſaale; nicht ſo Albrecht.

Mit heftigen Worten fuhr er auf den Kaiſer los: er ließe ſich nicht länger hinhalten;?) dreizehn Fürſten wären ihm zu Lieb nach Neuſtadt gekommen;) wolle der Kaiſer warten, bis ſie wieder fortgeritten wären, um ihn, einen Für­ſten des Reiches, dann durch ſeine Rätedieſe Buben abur­teilen zu laſſen?) Er würde das zu hindern wiſſen.

Der Kaiſer ſuchte den Aufgeregten mit gütigen Worten zu beruhigen vergeblich. Im heftigen Zorne erſuchte Albrecht die Fürſten, ihm in

1) Nürnberger Kr.⸗Arch., Relationenband 484, S. 370-398.

2) Aeneas Silvius, Gift. Frid. Kollar, 416. Bei dem für dieſe Verhandlung außerordentlich wertvollen Bericht des Aeneas Silvius iſt immerhin im Auge zu behalten, daß Aeneas die Anſicht der Hof­juriſtenpartei, aus der er hervorgegangen war, wiedergibt, wohl auch, daß ihm Albrecht kürzlich durch den plötzlichen Abbruch des Wiener Kongreſſes gekränkt hatte.

8) Nürnberger Kr.⸗A., Relationenband 484, S. 370398.

) Während der Bericht der Nürnberger Boten ganz allgemein von Räten ſpricht, die Albrecht ſo beſchimpft habe, kann ſich Aeneas Silvius, Hiſt. Frid. 416 nicht enthalten, der Ritterpartei eins auszu­wiſchen, indem er den Markgrafen noch beſonders gegen den Marſchall und Kammermeiſter proteſtieren läßt. Gerade mit dem Kammermeiſter Ungnad war Albrecht aber befreundet.