Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
722
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722 Durch Kampf zum Frieden.

EineVerkehrung ordentlichen Rechts wäre es abe, wenn ſie in allen Artikeln ſich gütlich einigten, und nur über dieſen Einen gerichtlich entſcheiden ließen.

Sie wären bereit, dem Markgrafen Geld zu geben, wenn er wenigſtens auf zwei Jahre wie der Biſchof von Würzburg in den Dienſt der Stadt treten würde, vorausſichtlich würden ſie wohl ſeine Dienſte in keiner Weiſe in Anſpruch nehmen.

Auch einen weiteren Vorſchlag der kaiſerlichen Räte ſich gegen den Markgrafen zu verſchreiben, keinen Feind in ihrer Stadt oder in ihren Schlöſſern wider ihn zu halten, lehnten die Nürnberger ab. Sie fürchteten, der Markgraf würde dann von jedem ihrer Diener behaupten, er wäre ſein Feind.)

Am nächſten Tage bat der Kaiſer noch einmal die Nürn­berger ſeinen Vorſchlag anzunehmen; der Markgraf ſollte dann, um gleichfalls ſein Entgegenkommen zu beweiſen, ſich der Stadt verſchreiben, von nun an ſich gegen fie freundnach­barlich zu erweiſen, ihre Feinde in ſeinen Schlöſſern nicht zu dulden, ihr und ihren Bürgern an ſeinen Gerichten ſchnellere Rechtsſprechung, in ſeinen Ländern freien Handel zu gewähren und auf Koſten der Stadt ihr ſeine Räte zu Verhandlungen zu leihen. Durch die befreundeten Städteboten ließen die Nürnberger dem Kaiſer mitteilen, daß ſie auf ihrer Weigerung beharren müßten.So könne er dann, antwortete der Kaiſer, zu ſeinem Leidweſen das Urteil, das die Fürſten ſprechen wollten, nicht länger aufhalten.

Die Nürnberger Boten begaben ſich nach Erhalt dieſer Mitteilung von neuem zum Kaiſer und flehten ihn an, ſich nicht von Fürſten das Urteil diktieren zu laſſen, die faſt alle nahe Verwandte ihres Gegners wären, und die der Stadt gerade um der Sache willen, in der ſie ſich jetzt die Entſcheidung anmaßten, abgeſagt hätten.

1) Nürnberger Kr.⸗A., Relationenband 484, S. 370-398. Die geheimen Verhandlungen ſind nach dem Berichte der Nürnberger Boten dargeſtellt.