Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
726
Einzelbild herunterladen

726 Durch Kampf zum Frieden.

ſich in ein Nebenzimmer und ließen den Kaiſer allein im Verhandlungsſaale.

Im Nebenzimmer verhandelten die Fürſten bis die Kerzen angezündet wurden; nur Aeneas Silvius hatte ein Gefühl für das Unwürdige der Lage des Kaiſers.)

Die Beiſitzer ſchloſſen den Vorſitzenden des Gerichtshofes von ihren Verhandlungen aus, würdigten ihn der als Kaiſer und als der von den Parteien erwählte Schiedsrichter allein zum Fällen des Urteils befugt war, herab, lediglich ihre Be­ſchlüſſe zu verkünden.

Auf die Vorſtellung des Aeneas Silvius hin, ließ der Kaiſer die Fürſten wieder in den Verhandlungsſaal bitten und ſie durch ſeinen Rat Ulrich Riederer auffordern, ihre Abſtim­mung bekannt zu geben.

Als Albrecht ſah, daß Riederer mit den Fürſten ſprach, ſtürmte er auf ihn los und riß ihn zur Seite:Biſt Du ein Fürſt, daß Du unter Fürſten zu treten wagſt? ſo ſchrie er ihn an.) i

1) Franklin a. a. O., S. 36, behauptet, daß das Geſpräch der Beiſitzeruraltem Rechte gemäß in Abweſenheit des Richters gehalten werden mußte. Von einem ſolchen ſeltſamen Gebrauche iſt dem Ver­faſſer nichts bekannt. Franklin ſelbſt erwähnt ihn in ſeinem Buche, Reichshofgericht i. Mittelalter, Bd. II, in dem den Urteilsfindern gewid­meten Kapitel gleichfalls nicht. Die Reformation d. Nürnberg. Landger. (K. B. Reichsarchiv, S. XXI, f. 113, Nr. 5%) beſtimmt, daß die acht Beiſitzer ſolange bei dem Landrichter bleiben ſollen, bis er das Recht geſprochen hat. Auch während des Neuſtädter Tages nimmt außer bei dieſer Gelegenheit, wie der Bericht der Nürnberger Boten aus­drücklich betont, der Kaiſer ſtets an allen Beratungen des Gerichts­hofes teil. Aeneas Silvius, der mehr als 10 Jahre am kaiſerl. Hofe lebte, konnte im deutſchen Prozeßverfahren auch nicht mehr ſo uner­fahren ſein, wie Franklin es hinſtellt. Bei der Separatverhandlung der Fürſten ſollte auch nicht, wie Franklin meint, über dasPerhor­rescenzgeſuch Heimburgs verhandelt werden, ſondern über die Frage, ob die Nürnberger verpflichtet wären, ſich nochmals anzudingen.

2) Aeneas Silvius, Hiſt. Frid. Kollar, S. 432433, erzählt die