Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
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730 Durch Kampf zum Frieden.

die den Demütigſten hätten zur Abwehr aufpeitſchen müſſen, und den Blindeſten zwingen zu ſehen.

Mit frecher Hand wollte man der Gerechtigkeit die Binde von den Augen reißen, für ſie, nicht nur für Nürnbergs Sache ſprach Gregor Heimburg.)

Nicht an das Gericht, das er als parteiiſch ablehnte, nur an den Kaiſer wandte er ſich; denn nicht den Helfern Albrechts und ſeinen nächſten Blutsverwandten hätten die Nürnberger

1) Die Rede Gregor Heimburgs, wie ſie Aeneas Silvius berichtet, iſt in ihren Grundzügen unzweifelhaft echt. Nur das durch Voigts Bio­graphie geſchaffene, ſehr übertriebene Mißtrauen gegen alle Angaben des Aeneas Silvius kann die Behauptung Franklins(a. a. O., S. 35), der ſich Bayer anſchließt,(a. a. O., S. 199200) erklären, daß Aeneas bei dieſer Gelegenheit wenigſtens nur ſehr geringe Kenntniſſe vom deutſchen Rechtsverfahren zeigt unddie Schlagworte, die bei der Diskuſſion wirklich fielen, mißverſtand. So mittelmäßig nun Aeneas über die gegenſeitigen Forderungen der Parteien unterrichtet iſt, wir Bayer, a. a. O., S. 194195 nachgewieſen hat, die ja auf dem Neu­ſtädter Tage faſt gar nicht erörtert wurden, eine um ſo ausgezeichnetere Quelle iſt, von kleinen Gedächtnisirrtümern abgeſehen, ſeine Schrift für die Verhandlungen des Tages. Nur dadurch, daß Aeneas zuerſt Unterhändler und ſpäter Richter in dieſer Sache war, wurde es ihm möglich, mit dieſer Klarheit das Rechtsverfahren zu ſchildern. Droyſen (a. a. O., S. 146, Anm. 1) hat durchaus recht:Der merkwürdige Ur­teilsſpruch vom 18. Dezember 1452 beſtätigt in ſeiner Motivierung die Erzählung des Aeneas Silvius. Wo der Bericht der Nürnberger Boten (Nürnberger Kr.⸗A., Relationenband, S. 370398) die Erzählung des Urteilsſpruches ergänzt, erhalten wir ein neues Zeugnis für die Rich­tigkeit der Darſtellung des Aeneas . Selbſt, daß Heimburg die Edlen und Geiſtlichen, die doch nur Zuhörer waren, gegen jedes Herkommen direkt angeſprochen hat, wird hier ausdrücklich beſtätigt. Überhaupt iſt die Rede nur eine großartige Zuſammenfaſſung alles deſſen, was Heimburg in früheren Verteidigungsreden, bei den Audienzen und im Laufe der gütlichen Verhandlungen geſprochen hat. Jeder Gedanke dieſer Rede läßt ſich deshalb urkundlich als Heimburgs Eigentum er­weiſen. Nur der berühmt gewordene Schluß der Rede iſt teilweiſe aus Cuſas De concordantia Catholica Liber III, Kap. 30 und 31 entlehnt bei Trithemius Chron. Ins. Monasterii Hirsaugiensis(Baſel 1566) S. 658659.