732 Durch Kampf zum Frieden.
leichtſinnig gegen einen Fürſten ſo ſchwere Anſchuldigung erheben könnte. Aber der Markgraf wolle das gute Recht in Unrecht wandeln; ſetze er dieſes Mal ſeinen Willen durch, ſo wäre von jetzt an außer den Fürſten jeder Mann im Reiche rechtlos — auch der Kaiſer.
Denn er könne wohl den Fürſten gegen jeden anderen ſeiner Untertanen Recht verſchaffen, nicht aber den„armen Bedrückten“ zu ihrem Rechte verhelfen gegen einen Fürſten.
„Hört es“, rief Heimburg,) Ihr deutſchen Grafen Herren, Ritter und Prälaten, Ihr Nachbarn, Ihr Untertanen der Fürſten, wo werdet ihr einen Fürſten finden, der Euch den Büttel macht, wenn Euch ſein Freund, Euer Hab und Gut nimmt, Eure Kinder raubt, Eure Weiber ſchändet. Der Kaiſer und ſein Gericht kann Euch nimmer helfen.
Wie Iſaias, den Richtern Israels, ſo rufe ich Euch deutſchen Fürſten entgegen:„Wehe denen, die Geſetze des Unrechtes geben und im Gerichte die Armen unterdrücken und der Sache der Kleinen in meinem Volke Gewalt antun“.?)
Warum wollt Ihr die Geſetze umgehen, warum ſchüttelt Ihr nicht lieber mutig das Euch drückende Joch des Reiches ab? Mit dieſem einen Geſetz ſchlagt ihr jedes andere Geſetz tot und zerreißt das Reich, weil Ihr ſeine Grundlage, das Recht vernichtet.
Blindes Deutſchland, das ſich weigert, einem Kaiſer zu gehorchen und doch willig ſich vor tauſend kleinen Herrlein beugt.
Ein Fürſt iſt unabhängig, wenn ihn der Kaiſer nicht mehr vor ſein Gericht fordern darf. So iſt denn das Ende des 600jährigen Reiches gekommen, das länger beſtand als das
1) Aeneas Silvius, Hiſt. Frid. Kollar, S. 429—430. Nürnberger Kr. A., Relationenband 484, S. 370—398. Vgl. Franklin, a. a. Da S. 35. Droyſen, a. a. O. II, 1, S. 145.
2) Iſaias, Kap. 10. 1 u. 2.