Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
744
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744 Durch Kampf zum Frieden.

Auch die Nachgiebigkeit der Ungarn und der aufſtändi­ſchen öſterreichiſchen Edelleute war durch die Art wie der Kaiſer in Neuſtadt von ſeinen Untertanen behandelt wurde, nicht vergrößert worden.

Aeneas Silvius, war als des Kaiſers Vertreter mit Albrecht und den anderen Fürſten Ende Dezember wieder nach Wien gekommen.)

Ihn hatte der Ruhm Gregor Heimburgs nicht ſchlafen laſſen und er hatte ſich eine Anſprache an die Rebellen aus­gearbeitet, die in der Tat ein diplomatiſches Meiſterſtück war aber er durfte dieſe Rede nicht halten.)

Die Ungarn ließen ſich in der Abweſenheit ihres Königs Ladislaw überhaupt auf Verhandlungen mit ihm nicht ein): die Oeſterreicher erklärten, daß der Kongreß durch die un­vorhergeſehene und unerwünſchte Unterbrechung als geſchloſſen anzuſehen wäre, umſo mehr als die böhmiſchen Abgeordneten bereits abgereiſt wären, und ohne ſie doch nichts beſchloſſen werden könnte. Vergebens ſchleuderte Aeneas den Wort­brüchigen ſeine gerechte Empörung ins Antlitz ungerührt weigerten ſich die hartherzigen Menſchen ihm Gelegenheit zu geben, ſeine große Rede vor einer dieſes Meiſterwerkes würdigen Zuhörerſchaft zu halten.

Ohne Erfolg wandte ſich der bedauernswerte Aeneas an die Schiedsrichter.

Albrecht wußte aus eigener Erfahrung, daß in Geld­angelegenheiten ſchöne Worte wenig helfen, auch mochte er ſich wohl ſein Behagen durch unnötig erbitternde Streitereien der

1) Chmel, Reg. Frid. IV., S. 304. Reg. v. 27. Dez. 1452. 2) Voigt, Enea Silvio, II, S. 8886.

8) Sowohl am 31. Dezember 1452 wie am 11. Januar 1453 ur kundet Ladislaw in Wien, vol. Lichnowsky, Geſch. d. Hauſes Habsburg, VI, Reg. 1724 und 1736. Vgl. Bayer. Hiſt. Frid. III, S. 201, Anm. 1. Die Reiſe Ladislaws nach Preßburg, von der Ebendorfer er­zählt, könnte alſo nur von kurzer Dauer geweſen ſein.