Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
750
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750 Durch Kampf zum Frieden.

fand nun das Gericht, das die Augsburger als parteiiſch ver­ſchrieen, nicht, daß der angeklagte Augsburgerder Tat und Sachen halber mit ſtrengem Recht fürzunehmen wäre, ſo durfte kein fürſtlicher Nachbar fordern, daß der Rat ihn den­noch in das Gefängnis werfen ließe, und dem Kläger, der Nürnberger Bürger war, ſchnellſtens zu ſeinem beſtrittenen Rechte verhülfe.)

Auch verlangte der Herzog, und zwar nicht etwa von Kaſpar Nagel, ſondern von der Stadt, Erſatz des Schadens, den ſeine Schutzbefohlene bei Betreibung ihrer Forderung er­litten hatte, inbegriffen natürlich die Unkoſten für ihren Um­zug nach Landshut.)

Der Rat war mürbe geworden; durch das Land des reichen Herzogs gingen die Straßen nach Salzburg, Böhmen und Venedig; auch war er ja der Richter in ihrem Streite mit dem Markgrafen.

Die Forderungen der Witwe wurden erfüllt, Nagel ins Gefängnis geworfen.

Dagegen proteſtierte nun wieder Augsburg und Graf Ulrich von Württemberg. Selbſt der ſonſt keineswegs toll­kühne Herzog Albrecht von München drohte, als er ſah, wie leicht der Rat zur Nachgiebigkeit zu bringen war, gleichfalls der Stadt das Geleit aufzuſchreiben,) wenn er den Nagel nicht ohne jedes Entgelt ledig ließe.

1) Nürnberger Briefbücher, XXIII, S. 188.

2) Unerhört war in dieſer Zeit das Vorgehen des Herzogs natür­lich nicht; vgl. den von König Friedrich dem Danziger Bürger Weſt­rauhe ausgeſtellten Repreſſalienbrief. Chmel, Reg. Frid. IV, Nr. 60, auch Reg. 1545 und Reg. 1642. Als beſonderes Privileg galt es, wenn ein Fürſt einer Stadt zuſicherte, daß ein Bürger ihrer Gemeinde nicht für das Verſchulden eines anderen Bürgers haftbar gemacht werden dürfte. Roth, Geſch. d. Nürnberger Handels, I, S. 41. Vgl. Ranke, Deutſche Geſch. im Zeitalter der Reformation, VI, S. 3334: Über eine bezügliche Reichsordnung 1502.

3) Nürnberger Kr.⸗A., Briefbücher XXIII, S. 217. Das Ab­ſchreiben ſelbſt geſchah erſt am 12. Mai, nachdem eine Botſchaft die