Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1911)
Entstehung
Seite
761
Einzelbild herunterladen

Durch Kampf zum Frieden. 761

daß ſie ebenſo bedürftig wären, wie Wörth und weigerten ſich geradezu ihren Anteil an den Bundesſteuern zu zahlen, ſolange Wörth unterſtützt würde.)

Der Bund riet Wörth ſelbſt den Kaiſer um einen Pfleger zu bitten, bevor er ihm einen nicht genehmen Pfleger beſtellen würde.

400 Gulden jährlich waren nötig, um dieſer durch ihre Lage wichtigen Reichsſtadt, die für ihre Freiheit ſo ungeheure Opfer gebracht hatte, vor dem Niederbruch zu bewahren.

Wollten die Städte je ihrem Lebensprinzipe, der demo­kratiſchen Idee, im Reiche zum Siege verhelfen, ſo waren ſie zu moraliſchen Eroberungen in der Ritterſchaft und den Bauerngemeinden gezwungen. Wie aber ſollte eine Idee wer­ben, deren Träger das Gewonnene nicht einmal zu halten ver­ſtanden? Es war eine moraliſche Bankrotterklärung, daß die Städte um einige Jahre lang eine erbärmlich kleine Summe zu erſparen, die wackeren Bürger Wörths ihrem Schickſale überließen.

Die ſchönen Worte die auf der Tagſatzung geſprochen wurden, können über dieſe Tatſache nicht hinwegtäuſchen.

Es läßt ſich nach dieſer Probe ermeſſen, wie ſelbſt die für das Wohl und Wehe der Reichsſtädte wichtigſten Fragen auf den Tagſatzungen behandelt wurden.

Wohl tauchte ſogar der Plan wieder auf: die Eidge­noſſenſchaft und alle Reichsſtädte in einem großen Bunde zu einen, der jedem Fürſten die Luſt vergällen ſollte,die Reichs­ſtädte vom Reiche zu drängen und zu ganzer Zerſtörung zu bringen.

Rottweil hatte den Plan von neuem angeregt;') mit würdevollem Ernſte wurde er auf der Tagſatzung erörtert. Man hielt es für beſſer, im Anfang nur die Eidgenoſſen,

1) Nördlinger St. ⸗A., Städtebundakten 1451, Nr. 11. 2) Nördlinger St.⸗A., Städtebundakten 1451, I. 21.