Durch Kampf zum Frieden. 769
„Unbillige Auszüge wären es, wenn eine Bundesſtadt ſich weigerte, Tagſatzungsbeſchlüſſe anzuerkennen unter dem Vorwande, daß die Mehrheit der Bundesſtädte in der Streitſache Partei wäre.
Nur wer bedenkt, mit welcher ausgeſuchten Höflichkeit ſich die Städte immer behandelten, wie ſie ſtets verſicherten, einander„hilflich und furderlich“ ſein und„alles liebs und guts“ um einander verdienen zu wollen, kann aus den heftigen Worten den Grad der Erbitterung ermeſſen, mit der um dieſe eine Streitfrage faſt zwei Jahre lang auf den Tagſatzungen geſtritten wurde.
Es iſt erklärlich, daß gar bald aus allen Städten die bundesfreudige Stimmung wich.
Mochte Ulm die Bundesſtädte noch ſo„teuer und hoch Treuen, Ehren und Eides mahnen“— ſelbſt zu den wichtigſten Tagſatzungen erſchienen kaum mehr als die Vertreter von 15 Städten. Auch ſie kamen 1 bis 2 Tage zu ſpät oder ritten fort, ſobald die ſie intereſſierenden Gegenſtände von der Tagſatzung erledigt waren,) Städte, die überhaupt keine Boten geſandt hatten, hielten es nicht einmal mehr der Mühe wert, ſich deshalb bei der Tagsſatzung zu entſchuldigen.“
Die törichteſten Gerüchte über einzelne Bundesſtädte wurden verbreitet und geglaubt; als Markgraf Albrecht zwei Rothenburger Ratsherren, die zu ihm gekommen waren, um gegen Uebergriffe des Nürnberger Landgerichtes zu proteſtieren,„viel Ehre und Freundſchaft erzeigte“ hieß es in den Städten, Rothenburg wolle mit dem Markgrafen ein Bündnis ſchließen.“)
„Vergebene Worte und Arbeit wäre jede Verhandlung mit Edlen über eine Anſtellung als Hauptleute, mit Fürſten über den Abſchluß eines Bündniſſes, bevor der Fortbeſtand des
1) Nördlinger St.⸗A., Städtebundakten 1451, I. 12. 2) Nördlinger St.⸗A., Städtebundakten 1451, I, 8. 3) Nördlinger St.⸗A., Städtebundakten 1451, Nr. 66.
Markgraf Albrecht Achilles I.