Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1903) Goethe ; Theil 2
Entstehung
Seite
122
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Ausführungen und Belege.

viel früher vorhanden gewesen, ohne erkannt zu werden.

Hier aber scheint alles zu stimmen: Der Beginn mit Benommenheit, die lange Bewusstlosigkeit, das Auftreten ähnlicher Erkrankungen zu gleicher Zeit. Wahrscheinlich hat ein starker Herpes facialis die Krankheit begleitet, wie es sehr oft vorkommt, und auch die Augenschädigung ist am wahrscheinlichsten als Herpes der Lider zu fassen. Kleine Abscesse mögen sich am Lide gebildet haben, und gegen sie sind wohl dieOperationen Starks gerichtet gewesen.

Jedoch bei näherer Ueberlegung muss man sich sagen, dass die Diagnose einer leichten epidemischen Meningitis in Goethes Falle allzu kühn ist. Es kommen auch meningitische Erscheinungen bei Influenza und bei Pneumonie vor(der sogenannte Meningismus) und auch in diesen Zuständen tritt die Herpes auf. Am ehesten möchte eine Influenza mit Meningitis­Symptomen und starkem Herpes anzunehmen sein.

Nach der Krankheit bestehen dichterische Erregung und grosse Nervosität. Der zweite Monolog und der Ostermorgen im Faust sollen aus dem Frühjahre 1801 stammen. Ganz merkwürdig ist die krankhafte Auf­regung während der Sommerreise,