ADOLF TESCH, WITTENBERGE
10 Jahre Arbeitsgemeinschafl Philatelie Wittenberge
Als vor nunmehr bald 120 Jahren (1841) die ersten Briefmarken in England in Gebrauch genommen wurden, stellten sie eigentlich nichts anderes dar als einen Versuch, die bis dahin recht umständliche Berechnung und Erhebung der Postgebühren zu vereinfachen. Niemand konnte .damals ahnen, daß sich dieses kleine Papierchen, nachdem es seine erste Bewährungsprobe bestanden hatte, innerhalb weniger Jahre den ganzen Erdball erobern sollte, nicht etwa nur als rein amtlich-nüchternes Wertzeichen, sondern auch als beliebtes Sammelobjekt einer bis zum heutigen Tage ständig wachsenden Zahl von Liebhabern in der ganzen Welt. Vielleicht war es zunächst wirklich nur die ewige Sehnsucht des Menschen nach der Ferne, die die Briefmarke aus einem fremden Land oder aus romantischer Ferne für den Sammler irgendwie zu stillen wußte und sie deshalb sammelwürdig erscheinen ließ. Ganz unbewußt aber ergab sich daraus schon das Streben des Sammlers, möglichst alle Briefmarken der ganzen Welt oder eines Erdteils zusammenzutragen, und man konnte das ja auch, solange ihre Zahl nach einigen Hunderten oder Tausenden zählte. Dennoch hatte aber auch das schon damals seine Schwierigkeiten, und es ergab sich wie von selbst, daß die Sammler untereinander Verbindung suchten, um ihre Schätze gegenseitig auszutauschen und zu vervollständigen. Man begann also, sich in Vereinigungen zusammenzuschließen, fing an, die Marken als Sammelobjekte zu bewerten, findige Geschäftsleute nahmen — ursprünglich selbst Sammler — den Handel mit den so beliebten Sammelobjekten auf, gaben Kataloge heraus, verlegten Sammelalben und die ersten Fachzeitschriften. Immer weiter zog diese Liebhaberei ihre Kreise um den ganzen Erdball, und wenn man schon vor Jahren von der Philatelie als der „volkstümlichsten aller Liebhabereien“ sprach, so können wir sie heute getrost als nicht zu übersehenden Wirtschaftsfaktor und andererseits als eine gewiß nicht unbedeutende Kulturarbeit bezeichnen.
Längst sind die Zeiten vergangen, in denen man den Briefmarkensammler ganz allgemein noch als schnurrigen Sonderling und seine Liebhaberei als bloße Kinderei ansah, über die man allenfalls nur mitleidig lächeln konnte! Darüber ist die Zeit hinweggegangen, die Entwicklung, die auch den ursprünglichen Sinn der Briefmarke, lediglich eine Postgebührenquittung zu sein, so weitgehend veränderte, daß sie zu dem wurde, was sie heute ist: Ein Zeitdokument, das getreue Spiegelbild des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens des jeweiligen Herausgeberstaates. Waren es früher, entsprechend dem amtlich-sachlichen Zweck der Marke, die Wertziffer, das Staatswappen oder allenfalls. noch das Konterfei des
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