Heft 
(1958) 4
Seite
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WILLI WESTERMANN, CUMLOSEN

Der Roland von Cumlosen

Ja, wir Cumlosener hatten einen Roland. Von Generation zu Generation wurde seine Geschichte übertragen. Großvater und Großmutter erzählten sie dem Sohn, der Tochter, diese wieder dem Kinde und so ging es weiter, Jahrhunderte hindurch, bis auf den heutigen Tag. Sogar in Bücher wurde sie übernommen. Der steinerne, bei uns wohl der hölzerne Ritter der Gerechtigkeit, der Marktgerechtigkeit, stand in unserem Dorfe. Es ist nicht mit Gewißheit auszumachen, wer den Roland hat aufstellen lassen, ob der Markgraf von Brandenburg selbst oder jenes Adelsgeschlecht, dem der Markgraf mit dem Ländchen Cumlosen die hohe Gerichtsbarkeit über­tragen hatte. Lassen wir das auf sich beruhen, ich möchte hier erzählen, wie die Perleberger zu diesem Roland gekommen sein sollen, und zwar möchte ich sie so erzählen, wie sie bei uns, in der Sprache unserer Eltern und Voreltern, von Mund zu Mund geht.

Cumlosen is, wie jie weeten müttn, von früher her een Fischerdörp weßt. Spärerhen kömn noch de Scheppers dato. Un ut de Fischer un de Scheppers sünd hüt de lüttn Buern worrn. Poor Hoffstellen häd dat uck früher schon gämn, öwer de falln da noch nich so int Gewicht, denn da hemmn de sick noch för dann Odel schufft un awrackert. Noch üm dat Joar 1900 gew dat noch öwer twintich Fischer un an tein Fischerfrun, so verteilt mie de ölist Fischer Wilhelm Bertelt ut uns Dorp. Fischt hemmn se in de Tied bat no Lütkenwisch doal, un upwärmt hemmn se sick ümmer im Krooch bie Mudder Högersch bie sönn stiemn Grog, öwer ick will jo bie uns Fischer­frun bliemn. Dat licht schon wiet torüch. Schon poor hunnert Joar. Uns Fischwiewer hann wierer nix to doon, as Dach för Dach de Fisch int Kiep no Perleberch ton Markt schläpn. Dat wär bestimmt nich einfach. Früh wennt noch düster wär, trecknt se los, un oabens erst kömn se no Hus. Ob sommers orrer winters, ümmer wärn poor ünnerwäg'ns. Jo, un ümmer wärn se vergnöcht. Ob se üm Wiehnachtn rüm de Quappen, un in de ersten Monat'n int Joar de gerökerten.Schnäpel hennschafftn, ob se im Sommer de Brassen, de Boas, de Häkt orrer die Rookoal hennbröchtn, se wärn ümmer lustig un fidel. Ümmer treckn se dänn Wach öwer dänn Dewstiech, öwer Klingelapräch, ant Schafschwerts Hoff vorbie, int Silch dörch de Heid noah Perleberch. In Perleberch würrn dänn die Fisch flott ümmsett. Un von dänn langn Wach un dat Fischverköpn wärn de Fisch­wiewer so malot, dat se sick erst moal düchtig anregn müttn, un dat mök dänn de Köm. Nu wärn dat nich sönnn lüttn Finkennäpper wie hüt to Dochs, Sönnern so gotliche half Pund Gläs. As nun uns Fischwiewer

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