WILLI WESTERMANN, CUMLOSEN
Der Roland von Cumlosen
Ja, wir Cumlosener hatten einen Roland. Von Generation zu Generation wurde seine Geschichte übertragen. Großvater und Großmutter erzählten sie dem Sohn, der Tochter, diese wieder dem Kinde — und so ging es weiter, Jahrhunderte hindurch, bis auf den heutigen Tag. Sogar in Bücher wurde sie übernommen. Der steinerne, bei uns wohl der hölzerne Ritter der Gerechtigkeit, der Marktgerechtigkeit, stand in unserem Dorfe. Es ist nicht mit Gewißheit auszumachen, wer den Roland hat aufstellen lassen, ob der Markgraf von Brandenburg selbst oder jenes Adelsgeschlecht, dem der Markgraf mit dem Ländchen Cumlosen die hohe Gerichtsbarkeit übertragen hatte. Lassen wir das auf sich beruhen, ich möchte hier erzählen, wie die Perleberger zu diesem Roland gekommen sein sollen, und zwar möchte ich sie so erzählen, wie sie bei uns, in der Sprache unserer Eltern und Voreltern, von Mund zu Mund geht.
Cumlosen is, wie jie weeten mütt’n, von früher her een Fischerdörp weßt. Spärerhen köm’n noch de Scheppers dato. Un ut de Fischer un de Scheppers sünd hüt de lütt’n Buern worrn. Poor Hoffstellen häd dat uck früher schon gäm’n, öwer de fall’n da noch nich so int Gewicht, denn da hemm’n de sick noch för dann Odel schufft un awrackert. Noch üm dat Joar 1900 gew dat noch öwer twintich Fischer un an tein Fischerfru’n, so verteilt mie de ölist Fischer Wilhelm Bertelt ut uns Dorp. Fischt hemm’n se in de Tied bat no Lütkenwisch doal, un upwärmt hemm’n se sick ümmer im Krooch bie Mudder Högersch bie sön’n stiem’n Grog, öwer ick will jo bie uns Fischerfru’n bliem’n. Dat licht schon wiet torüch. Schon poor hunnert Joar. Uns Fischwiewer han’n wierer nix to doon, as Dach för Dach de Fisch int Kiep no Perleberch to’n Markt schläp’n. Dat wär bestimmt nich einfach. Früh wenn’t noch düster wär, treck’nt se los, un oabens erst köm’n se no Hus. Ob sommers orrer winters, ümmer wär’n poor ünnerwäg'ns. Jo, un ümmer wär’n se vergnöcht. Ob se üm Wiehnacht’n rüm de Quappen, un in de ersten Monat'n int Joar de gerökerten.Schnäpel hennschafft’n, ob se im Sommer de Brassen, de Boas, de Häkt orrer die Rookoal hennbröcht’n, se wär’n ümmer lustig un fidel. Ümmer treck’n se dänn Wach öwer dänn Dewstiech, öwer Klingelapräch, ant Schafschwerts Hoff vorbie, int Silch dörch de Heid noah Perleberch. In Perleberch würr’n dänn die Fisch flott ümmsett. Un von dänn lang’n Wach un dat Fischverköp’n wär’n de Fischwiewer so malot, dat se sick erst moal düchtig anreg’n mütt’n, — un dat mök dänn de Köm. Nu wär’n dat nich sönn’n lütt’n Finkennäpper wie hüt to Dochs, Sönnern so gotliche half Pund Gläs. As nun uns Fischwiewer
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