Heft 
(1958) 4
Seite
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Liebe Redaktion!

In Deinem Februarheft schreibst Du, daß unsere Heimatzeitschrift durch die Mit­hilfe der Leser noch bunter und vielseitiger werden kann. Du hast darin voll­kommen recht. Schließlich ist es ja unsere Heimatzeitschrift. Wir Leser sollten darum an der Ausgestaltung mithelfen. Ich schicke Dir heute einen Beitrag, der von der Arbeit und von den Arbeitern im RAW Wittenberge berichtet.

RAW Wittenberge - Klinik für Eisenbahnwagen!

Durch die Gebirgslandschaft der Sächsischen Schweiz braust der Vindo­bona-Expreß.

Zur gleichen Zeit bringt der Saßnitz-München-Expreß Reisende aus der Deutschen Demokratischen Republik zu ihren Verwandten nach Süd­deutschland .

Währenddessen verläßt ein Doppelstockzug den Bahnhof in Wittenberge und bringt die Arbeiter aus den Großbetrieben in ihre Heimatorte, nach Glöwen und Bad Wilsnack.

Hinter einem kleinen Schweißertisch in der Doppelstockwagen-Abteilung des RAW Wittenberge sitzt Margot. Sie ist eifrig bei der Arbeit, denn sie hat noch viel zu tun. Da sind Regenrinnen und Lüfter zu schweißen, da müssen Rohre und Bleche abgebrannt werden. Viel Arbeit ist zu ver­richten, bis derPatient Doppelstockwagen wieder hergestellt ist. Patient Doppelstockwagen? Ja, man kann die Fahrzeuge mit Menschen ver­gleichen, die krank und gebrechlich den Arzt aufsuchen und nach einer Behandlung frisch und munter die Heilstätte verlassen.

So ist es auch mit den Personen-, Doppelstock- und Triebwagen. Nur hat hier der Arzt nicht einen weißen, sauberen Kittel an, sondern sieht in seinem blauen Schlosseranzug manchmal recht schmutzig aus. Und wie­vieleÄrzte sind nötig, bevor ein Fahrzeug den Betrieb verläßt! Verfolgen wir einmal den Ablauf eines zur Ausbesserung kommenden Doppelstock­wagens!

Ich könnte nun berichten, daß auf der einen Seite der Wagenhalle ein alter, verstaubter und total ausgebauter Wagen in die Arbeitsstätte ge­fahren wird und sie auf der anderen Seite sauber, neu und bequem ein­gerichtet, verläßt. So einfach ist es jedoch nicht!

Da sind die Kollegen, die alte Wandbekleidungen, Bänke und fast alles abmontieren, was nur irgendwie auszubauen geht.

Da sind die Schlosser, die die Türen wieder gangbar machen, neue Regen­rinnen über den Fenstern anbringen, neue Bankgestelle einbauen und auf dem Wagendach neue Lüfterhauben aufschrauben.

Die Tischler sorgen für die Wandbekleidung, die dann von den Tapezierern neu tapeziert wird.

Zu erwähnen sind weiter die Elektriker, die Maler, die Glaser und die Putzfrauen.

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