Heft 
(1958) 4
Seite
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Fischer:

Schräder:

Schulze: Fischer: v. Bärwald: Schräder:

v. Bärwald:

Schräder:

Fischer:

Schräder:

Fischer:

Schräder:

Fischer:

nach Perleberg abzuliefern ist. Haben Sie überhaupt eine Legitimation für Ihr Eindringen in die Stadt und für Ihre Maßnahmen?

Hier ist meine schriftliche Ordre. Ich erwarte, daß man mir keine Schwierigkeiten macht. (Er holt ein zerknittertes Schriftstück aus seiner Säbeltasche) .

(liest) . . . die kommandierten Vorzeiger dieses, sind be­auftragt, alle königlichen Armaturen und Effekten zu re­quirieren. Wer ihnen solche vorenthält oder verheimlicht, hat schwere Bestrafung zu gewärtigen. Gegeben zu Greifenberg, den 16. Februar er. von Schill, kgl. preußischer Major.

Sehen Sie sich das mal an, Schulze, (reicht ihm das Schreiben)

Das Siegel ist lädiert. Man kann es nicht erkennen als ein königlich preußisches.

In Ihrem Schrankkasten hebt sich ein Siegel besser auf, als in einer Reitertasche.

Lieber Direktor, ich meine, man muß den Mann unter­stützen bei der Requisition der Effekten.

Herr Major, ich bitte, sich nicht in die Amtsgeschäfte des Magistrats zu mischen. Nicht Sie, Herr Major, sind für das Wohl und Wehe der Stadt verantwortlich, sondern wir. (gekränkt) So, na, wenn Sie den Rat eines erfahrenen Offiziers nicht brauchen, dann kann ich ja gehen. Adieu. (er geht und besieht genau die an der Tür stehenden Sol­daten. Als er Mängel an ihrer Uniform entdeckt, schüttelt er mißbilligend den Kopf und verläßt das Zimmer)

(zu Fischer) Mir ist nichts davon bekannt, daß sich allhier noch dergleichen Sachen befinden. Ich sagte bereits, daß alles nach Perleberg abgeliefert werden mußte.

Nun, wenn Sie denn davon nichts wissen, ich werde bei dem Regimentsschneider Metke visitieren.

Die Herren vom Magistrat der preußischen Stadt Kyritz scheinen nicht sehr preußisch gesinnt zu sein.

Solche Anwürfe verbitte ich mir, Herr Wachtmeister.

Der freundliche Umgang mit diesem Französling, diesem Cervus, beweist es doch.

Herr Wachtmeister, das Wohl der Stadt verlangt, daß der Magistrat auch die unangenehmen Pflichten erfüllt. Wäre die preußische Armee nicht geschlagen worden, hätte die französische keine Gewalt über uns.

Ah, sieh mal einer an. Und das veranlaßte die Herren, zwei Estafetten zu dem französischen Kommandanten nach Perleberg zu schicken, daß er das liebe Kyritz vor preußi­schen Truppen in Schutz nähme. Das will ich Ihnen sagen, Herr Bürgermeister:

In kurzem wird mein Konmandeur mit einigen Tausend Mann hier einrücken, und dann werden wir unpreußische

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