diener) werden sollten und „Brutdeerns“ (Brautmädchen), die Reihenfolge, wie „bitt“ werden sollte, wer zu „Polterabend loin warn soll“ und „wer an Brutdisch keem“.
Weiter wurde durchgesprochen, wer bei wem „utspann süll“.
Die Bauern der nahen und weiten Umgebung kamen bis 30 km Entfernung zur Hochzeit mit dem Kutschwagen. 14 Tage vor der Hochzeit setzten sich dann die „Hochtidenbitters“ in Bewegung. Die Krückstöcke der beiden waren mit roten Bändern geziert, und außerdem trugen sie auf der Schulter eine rote Schleife, der Vertreter der Braut auf der rechten und der des Bräutigams auf der linken Schulter. Diese beiden gingen von Dorf zu Dorf und luden die Gäste persönlich ein. Hierbei wurden oft selbstgereimte Sprüche aufgesagt. Die Eingeladenen bewirteten die beiden reichlich mit Speis und Trank und gaben ihnen dann noch einen Zehrpfennig auf den Weg, der meistens einen Taler betrug. Bei den großen Entfernungen kam es oft vor, daß die beiden fast eine ganze Woche unterwegs waren. Einladungen durch die Post kamen nur für große Entfernungen in Frage. „De Buer will persönlich loit sind“. Ungefähr 10 Tage vor der Hochzeit wan- derte dann die Aussteuer in das Hochzeitshaus, wobei zwei große Koffer nicht fehlen durften, „ener mütt Linn un ener mütt sülwstgewäfte Säck“. „Hundert Säck mütt Band un Nohm“ waren keine Seltenheit.
Die Hochzeit selbst dauerte rund eine Woche. Sie begann am Montag und endete meistens am Sonntag. Am Montag wurde der Luftsaal in gegenseitiger Hilfe herangefahreri und der„Upwohrerkoken backt“, gleichzeitig der „Krummstut’n“ (ein sichelförmiges Gebäck in Stollengröße). Am Dienstag wurde geschlachtet und Wurst gemacht, in der Regel ein Rind von 10 bis 12 Zentnern, zwei Kälber von je 2 Zentnern, 3 Schweine von 2 Zentnern. An diesem Tage wurde auch der Luftsaal aufgestellt. Am Mittwoch wurde groß gebacken, ungefähr 100 Blechkuchen, 50 Napfkuchen und 50 Stuten (Weißbrot). Gleichzeitig wurde am Mittwoch das Geschirr zusammengeholt und der Luftsaal mit Sitzgelegenheiten versehen. Am Donnerstag wurden die Hühner geschlachtet zu Frikassee, das mußte bis Mittag-fertig sein, denn am Nachmittag begannen schon die Feierlichkeiten. Zum Festschmaus trug jede Wirtschaft bei: 1 Pfund Butter, 10 Eier, 5 Liter Milch oder % Liter Sahne und 1 fettes Suppenhuhn. Diese Dinge wurden an den entsprechenden Tagen ins Hochzeitshaus geschickt. Die Überbringer, meistens junge Mädchen, wurden mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Beim Schlachten des Geflügels wurde es so eingerichtet, daß ein Hahn wegflog. Dieser brachte neues Glück auf den Hof.
Am Donnerstag vormittag schmückten Brautdiener und Brautmädchen mit Girlanden und Blumen die Brautkutsche. Die sauber geputzten Kutschsielen wurden mit roten Bändern geschmückt, bevor sie den geschonten und tagelang geputzten Brautpferden aufgelegt wurden. Am Donnerstag um 14 Uhr war dann alles zur Brautfahrt nach dem Standesamt vorbereitet.
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