Heft 
(1958) 4
Seite
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Die beiden Brautmädchen nahmen hinten in der Brautkutsche Platz, und einer der Brautdiener saß vorn bei dem Bräutigam, der selbst die Pferde lenkte, und dann ging es in schneidigem Trab vor das Elternhaus der Braut, welches inzwischen mit Girlanden geschmückt war. Der Bräutigam und die Brautmädchen begaben sich in das Haus der Brauteltern, während der Brautdiener die Pferde übernahm. Im Haus der Braut gab es dann noch ein Abschiedsessen im kleinen Kreis (wer kennt die plattdeutsche Bezeichnung dafür?). Inzwischen stellten sich auf der Dorfstraße dieBrut- znöräs auf, Kinder und Erwachsene mit kleinen Stöcken, an die sie bunte Bänder gebunden hatten.

Nach ungefähr einer halben Stunde führte der junge Bräutigam die Braut an den Kutschwagen; sie nahm hinten bei den Brautjungfern, und zwar rechts sitzend, Platz, während der Bräutigam vorne aufstieg und wieder die Pferde übernahm. Dann ging es unter Peitschenknallen in schneidigem Trab die Dorfstraße entlang durch die Gasse der ,.Snörärs, die eifrig mit ihren Fähnchen winkten. Die Braut und die Brautmädchen warfen nach beiden Seiten Bonbons, Gebäck und Dörrobst aus. Die Braut warf auch in buntes Papier gewickelte kleine Geldstücke (Brutsecksärs) aus. Weil die Braut rechts saß, wollte beimsnörn jeder auf der Straße rechts stehen. (Die Sitte, Seile über die Straße zu spannen, so daß sich die Brautleute mit Alkohol freikaufen mußten, kam erst später auf). Als Zeugen auf dem Standesamt nahmen meistens die Väter des jungen Paares, welche in einem ' zweiten Wagen hinterherfuhren, teil. Bei der Rückkehr vom Standesamt wurde das junge Paar von demUpwohrer Stab, meistens ca. 30 Per­sonen, welche sich inzwischen eine weiße Schürze vorgebunden hatten, herzlich begrüßt. Erwähnt muß noch werden, daß in den Tagen von Mon­tag bis Donnerstag mittag alleUpwohrer in blauen Schürzen herum­liefen (aus Leinen). Abends gab es dann ein Essen für einen kleinen Kreis geladener Gäste, und gegen 20 Uhr begab sich dann alles in den Luftsaal zur eigentlichen Polterabendfeier. Die jungen Burschen polterten, die Mädchen brachten die Geschenke, wobei sie zum Teil Gedichte humorvoller Art aufsagten.

Letztere bekamen Kaffee und Kuchen, erstere Branntwein, Braunbier und Krummstutn. Die Feier wurde nicht lange ausgedehnt, um 10 Uhr war meistens Schluß, damit das junge Paar und alle anderen Beteiligten die nötige Nachtruhe bekamen. Die Braut wurde in Begleitung ihrer Mutter und der beiden Brautmädchen wieder in ihr Elternhaus gebracht.

Fortsetzung folgt

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