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humoristische Erzählung
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(Schluß.)
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VIII.
.ndlich kam Isidor zurück. Schon von weitem wars er die Arme in die Lust.
„Sie will ihn nicht geben!" ries er. „Hab' ich gesagt — Frau Goldstein, Hab' ich gesagt, was sind Sie für e Chammer! Was nutzt uns der Flügel, wenn er nicht geht zu spielen! Hat sie gesagt, daß sie den Flügel nur geborgt hat fürs Konzert. Eine höfliche Visite sollen Sie machen, Willibald. Und dann will sie sitzen ans der Bühne. Sie will immer was Apartes, die Goldstein. Nn — hat sie doch 's Geld."
Meeerino machte ein Gesicht, als hätte er eine j Prise genommen und wollte niesen. Aber er nieste ^ nicht. !
„Ich Hab' weiter gesagt, daß Sie den Schlüssel ^ holen wollen mit Gewalt. Hu, is se ausgesahren! Hat sie mir doch geschnitten ein Gesicht." Er brachte ! nachahmend eine Fratze Zu stände, die mir unvergeßlich j bleiben wird. „Hat sie gesagt, Sie möchten nur ! kommen! Sie würde Ihnen den Schlüssel schon zeigen. Kurz und gut, sie hat mir geschmissen 'raus."
Die Spatz befand sich nachgerade in einem Stadium der Wut, das Thränen ausbrütet. Aus einen: fremden Flügel konzertieren heißt nicht viel weniger als ans einem fremden Pferde Reiterkunststücke machen. Sie war thatsächlich bleich und rannte wie ein wildes Tier ans der Bühne herum.
„Was soll denn werden? Was soll denn werden? Sollen wir nach Hause reisen? — So spiele ich nicht! Ohne Probe spiele ich unter keiner Bedingung!"
Das gab Meeerino den letzten Sporn. Wie ein Ritter, der Akut schöpft, um einer Herzliebsten willen einen Drachen umzubringen, reckte er sich in Schultern und Hüsten.' Dann holte er Atem wie zu einem sechsaktigen Triller.
„Jetzt werde ich mit der Goldstein reden!"
Es klang gewaltig wie eine Kriegsdrommete.
Cohn verwandelte sich in die personifizierte Angst.
„Sie wird Sie auch schmeißen 'raus wie mich!"
Es war, als sei dies der übliche Aktschluß jeder Visite bei der Goldstein.
Ueber Land und Meer. Jll. Okt.-Hefte. XIV. 8.
„Das Wollen wir sehen!"
Mit einem mächtigen Satz, der an Fra Diavolos Kopfsprung vom Felsen erinnerte, sprang Meeerino in die leeren Stuhlreihen hinunter und brauste aus dem Saale.
Cohn mit Windeseile ihm nach.
„Reden Sie erst mit der Glasphyra, sag' ich! Die Goldstein wird Ihnen gleich grob, wenn Sie nicht höflich sind. Und den Schlüssel kriegen Sie gar nicht."
„Ich erdrossele sie, wenn's sein muß!" rief Meeerino fürchterlich und reckte beide Fäuste zum Thürpfosten empor, unter dem er bereits stand. „Mit meinen Fäusten erdrossele ich sie!"
Eine trotzige Wendung — fort war er. Auf offener Bühne konnte so ein Abgang nicht mit mehr Eklat geschehen.
„Er will sie erdrosseln!" pfiff Cohn im Diskant der Angst und rannte auf die Straße. „Sprechen Sie auf alle Fälle erst mit der Glasphyra!" klang's hinter Meeerino her. —
Nie wieder habe ich Damenkleider so durch die Luft sausen sehen, wie in diesem Augenblicke Spätzchens Gewand. Sie sprang von der Bühne-
jach! — könnte man's treffend bezeichnen. Dagegen war Fra Diavolo gar nichts. Vor Erregung bebend, streckte sie mir von unten ihre Hände entgegen.
„Rasch, rasch, Hagemännchen!"
„Was denn?"
„Meeerino nach!"
„Was haben Sie denn?"
„Die schwarze Venus!"
Das war nun einmal der tote Punkt ihrer Vernunft. War sie bei Glasphyra angelangt, versagte die Schwungkraft ihres Verstandes.
Ich mußte springen, ob ich wollte oder nicht; sie Zog mich an der Hand von oben nieder. Sie ließ mich auch nicht etwa los. Wie einen Schleppkahn zog sie mich durch das Meer der Stühle. Ich fühlte, wie's ihr in den Fingern prickelte, wie sie nicht erwarten konnte, sich mit mir in Galopp zu setzen, um den Geliebten vor der vermeintlichen Sirene zu retten.
Die Leute sahen uns nach, als wir, zwei Ponies gleich, über die Straße setzten. Spätzchen bemerkte
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