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Wie ein Schiff entsteht.
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sonstigen Beschädigungen der Außenhaut zu verhindern, daß ein Schiff untergeht, dasselbe durch viele wasserdichte Längsund Querwände in eine Menge voneinander ganz unabhängiger wasserdichter Abteilungen geteilt und ihm außerdem noch einen doppelten Boden gegeben, der wiederum in viele wasserdichte Abteilungen zerfällt. Bei ungepanzerten Kriegsschiffen, die der Durchlöcherung durch feindliche Geschosse ausgesetzt sind, hat man oft über hundert solcher wasserdichter Abteilungen, von denen gefahrlos eine ganze Anzahl volllaufen können, bevor das Schiff sinkt. Diese Räume können sämtlich durch die Dampfpumpen und Lenzoder Entleerungsrohre in kurzer Zeit leer gepumpt, „gelenzt", werden. Ein Hauptlenzrohr steht durch viele Neben- lenzrohre mit jeder einzelnen wasserdichten Abteilung in Verbindung und mündet in einen Sammelkasten im Maschinenraum, in dem die Röhren aller an Bord befindlichen Dampfpumpen zusammenlaufen. Wird nun die Außenhaut irgend einer Abteilung beschädigt und dringt Wasser in dieselbe ein, so schließen sich die übrigen Seitenlenzrohre durch selbstthätige Ventile, und der Sammelkasten und die beschädigte wasserdichte Abteilung können durch die Pumpen bald gelenzt werden. Bei Kriegsschiffen hat man außerdem, wenn sie ungepanzert sind, um ihnen Sicherheit gegen feindliche Schiffe zu geben und die Unsinkbarkeit zu erhöhen, einen sogenannten Korkdamm angewendet, der sich in einer Höhe von cirea 2 Meter und einer Breite von circa 1 Meter in der Gegend der Wasserlinie innenbords um das ganze Schiff hinzieht. Kork ist bedeutend leichter als Wasser und wird schon deshalb dazu beitragen, ein havariertes Schiff über Wasser zu halteu, außerdem hat er die Eigenschaft, wenn er naß wird, zu quellen. Er wird
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Schwimmdock.
Trajekt-Dampfer mit Kohlenwaggons für die Werst.
deshalb bald den Schußkanal verstopfen, eine Erscheinung, die man bei jedem vom Korkzieher durchbohrten Flaschenkork beobachten kann.
Ein zweites großes Sicherheitsmoment ist den neueren Schiffen durch das Doppelschraubenspstem gegeben. Bei den hölzernen Raddampfern, die einst den Ozean kreuzten, konnte man von Sicherheit wohl überhaupt nicht reden, denn bei der damals wackeligen Konstruktion des ganzen Schiffskörpers nahm eine überbrechende See leicht einmal auf der einen Seite Rad und Radkasten hinweg, und das Schiff trieb als hilfloses Wrack auf dem weiten Ozean, weil es die Steuerfähigkeit verloren hatte, wem: es nicht gar infolge Verlustes des Gleichgewichts keuterte. Aber auch die älteren Einschraubenschiffe haben den Doppel- schranbenschiffen gegenüber Nachteile. Denn bei bedeutenden Havarien der Maschine oder der Schraube müssen sie auf Vorwärtsbewegung durch Dampf verzichten und versuchen, mit Hilfe der ihnen beigegebenen Segel einen Hafen zu erreichen, wo sie den Schaden reparieren können. Bei den
hohen Decksaufbauten, die viel Wind abfangen, und verhältnismäßig kleinen Segeln ist ihnen dies nicht immer möglich, und oft müssen sie Hunderttansende bezahlen, um sich von Bergungs- dampfern einschleppen zu lassen. Diese Nachteile der Einschrauben- schisfe haben veranlaßt, daß die größeren Schiffe jetzt fast durchweg zwei Schrauben bekommen, die von zwei voneinander ganz unabhängigen Maschinen getrieben werden. Sollte eine Schraube durch irgend euren Unfall unbrauchbar werden, so können sie mit der andern allein, ohne an Geschwindigkeit bedeutend zu verlieren, ihr Ziel erreichen. Die Sicherheit eines modernen Doppel - schrauben-Schnelldampfers,der mit einer genügenden Anzahl von wasserdichten Schotten und genügend starken Verbänden versehen ist, ist sehr bedeutend, und es müssen schon gewaltige