Heft 
(1897) 08
Seite
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Wie ein Schiff entsteht.

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Längsspanten ans starken Stahlplatten hin, die äußerst stark miteinander und mit dem Doppelboden und der Außenhaut vernietet find. Bei unfern Handelsschiffen wendet man dieses Längsspanteusystem noch nicht lange an, obwohl schon Scott Ruffel in seinemGreat Eastern" dieselben mit guten: Erfolg gebaut hat. Die allgemeine Einführung dieses wichtigen Verbaudsteiles hat man unsrer Klassifikationsgesellschaft zu verdanken. Diese, der Germanische Lloyd", untersuchte nämlich Anfangs der achtziger Jahre die Verbände unsrer meisten großen Dampfer theoretisch durch Rechnungen auf ihre Festigkeit und fand, daß bei keinem einzigen Schiffe der Läugsverband den vorher abgeschätzten Bedingungen entsprach. Alle Längs­verbände waren zu leicht, während der Querverband allen Anforderungen genügte. In der Praxis Haben sich aller­dings noch keine bedeutenden Mängel gezeigt.

Wenn Kiel, Querspanten, Längsspanten und Doppel­boden stehen, werden die wasserdichten Schotten eingebaut. Sie zerfallen in Längs- und Querschotten. Die Quer­

erbaut und erhalten keinen Belag. Das Zwischendeck erhält einen Linoleumbelag, und Ober-, Brücken- und Prome­nadendeck bekommen einen Holzbelag von amerikanischem kttell-Mk oder Dtzllorv-xius oder einein andern witterungsfesten Holz. Das oberste, das Sonnendeck, be­kommt nur ein Holzdeck. Diese Holzdecks werden ans schmalen, dicht nebeneinander liegenden Planken gezimmert, ihre Fugen mit Werg kalfatert und mit Mariueleim, einer Art Harz, ausgegossen, um das Eindringen von Nässe zu verhindern. Sie geben dem Schiff, besonders wem: sie aus Teakholz gefertigt sind und recht sauber ge­halten werden, ein äußerst properes Ansehen.

Bevor man mit dem Anbringen der Außenhaut be­ginnt, sind noch zwei schwere Arbeiten zu vollbringen, das Einsetzen des Vorder- und Hinterstevens. Beide sind ans Stahl oder aus Bronze gegossen. Der Vordersteven besteht meist aus einem Stück; der Hintersteven, mit dem Ruder­steven, an welchem das Steuerruder sitzt, verbunden, ist wegen seiner Größe aus mehreren Stücken zusammengesetzt,

er NeichvpostdampferUüiugiu Luije" in der Ausrüstung auf der Werft desVulkan

schotten sind wasserdichte Wände, sie reichen vom Oberdeck bis zum Doppelboden, von Backbord bis Steuerbord quer durch das ganze Schiff und werden aus möglichst großen Platten von 6 bis 10 Millimeter Dicke angefertigt und durch senkrechte Winkelstahle versteift. Längsschotten wendet man im modernen Schiffbau nicht mehr viel an, sondern be­gnügt sich in der Regel bei Doppelschraubeicschiffen mit zwei voneinander unabhängigen Maschinen mit dem so­genannten Maschinenlängsschott ; dies steht in der Mitte des Schiffes und trennt die beiden Maschinenrünme von­einander. Man ist von dem Bau von Längsschotten des­halb abgekommen, weil ein Schiff mit einem Längsschott, wenn es an einer Seite einen Leck erhält und die eine Hälfte volllüuft, eine allzugroße Schlagseite bekommt, das heißt, sich auf die Seite neigt und Gefahr läuft, zu kentern.

Nach den Schotten werden die Decks eingebaut. Sie bestehen ebenfalls aus Stahlplatten; an den Seiten des Schiffes liegen stärkere, sogenannte Stringerplatten, die den Längsverband des Schiffes verstärken helfen. Die untersten Decks, Orlop- und Unterdeck, sind nur aus Stahtplatten

die vor dem Aufstellen zusammeiigenietet,gelascht" werden. Oft passen durch ein späteres Verziehen des Gusses die beiden Teile der Lasche nicht genau aufeinander und müssen deshalb erst geglüht und gerichtet werden. Alan baut deshalb aus losen Schamottesteinen rings um das zu rich­tende Stück eine Art Ofen, ähnlich etwa wie man auf dem Lande die Mauersteine brennt, und erhalt darin tagelang ein starkes Feuer, bis der Stahl glühend und dehnbar wird. Passen die Laschen genau aufeinander, so werden sie zusammengeschraubt, die Steven auf besonders stark gebauten Wagen an das Schiff gebracht und mit Hebe­werken in die rechte Lage gerückt und befestigt.

Nun fehlt, um das Schiff zum Stapellauf fertig zu bringen, nur noch die Außenhautbeplattung, von der man vielleicht schon die untersten Plattenreihen, dieGänge", mit den Schotten zugleich angebracht hat. Die Gänge werden meist an- und abliegend angeordnet, das heißt so, daß immer eine Platte auf dem Spant fest aufliegt und die nächsten nach oben und unten mit ihren Rändern auf der ersteren liegen. Die Platten in den einzelnen Gängen stoßen stumpf