Heft 
(1897) 08
Seite
292
Einzelbild herunterladen

292

Weber Land und Meer.

Krupp in Essen, die Gute-Hofsnung-Hütte in Oberhausen am Rhein, die Hörder Walzwerke und andre liefern ein zu Schiffbauzwecken vorzüglich verwendbares Material, so daß man jetzt die solide deutsche Arbeit der ausländischen vorzieht und sein Geld im Lande behält. Wir sind jetzt im stände, Schiffe zu bauen, von deutschen Ingenieuren konstruiert, aus deutschem Material von deutschen Arbeitern hergestellt; kein Nagel an dem ganzen großen Fahrzeuge ist anders als aus deutscher Arbeit hervorgegangen, und diese Schiffe stehen den fremdländischen in keiner Weise nach.

Selbstverständlich können unsre kurzen Eiseubahnlowries zum Transport langer Platten und Winkelstahle von oft 15 Meter und darüber nicht benutzt werden, und die Walz­werke haben deshalb Spezialmagen gebaut mit vier, sechs und acht Achsen. Zu dein Transport des Hinterstevens des SchnelldampfersKaiser Wilhelm der Große" war sogar ein besonders erbauter, der Form des Stevens an­gepaßter Wagen nötig; beim StettinerVulkan" wurden daun die für die Werst bestimmten Waggons mittels Trajektdampser vom Güterbahnhof nach ihren: Bestimmungs­ort überführt.

Bevor nun Stahlplatten und Winkelstahle zum Schiffs­körper zusammengefügt werden können, erhalten sie eine sehr sorgfältige Bearbeitung. Die Stahlplatten für die Schiffe unsrer Kriegsmarine kommen zuerst in ein sogenanntes Platteubad. Jede einzelne Platte wird mit Hebewerkzeugen in große Behälter mit Säure gehoben und kommt dann in ein Bad von kochendem Wasser, um die Säure wieder rein abzuspülen. Nachdem sie so von Rost und Schmutz befreit ist, wird die Platte mit Firnis tüchtig eingeölt und später mit Meunigefarbe gestrichen. Nach dem Bade werden die Platten und Winkel mit mächtigen, durch Dampf getriebenen Scheren passeich Angeschnitten. Die Scherenblätter aus härtestem Stahl bewegen sich langsam ans und nieder. Die zu bearbeitenden Stahlplatten wiegen oft viele Zentner; sie hängen an einem freistehenden Arm der Schere, der sich nach allen Richtungen leicht bewegen läßt. Selbst bei den schwersten Platten sind nur drei Mann zum Betriebe nötig; zwei fassen die äußersten Enden der Platten und schieben sie in der Richtung, die ihnen der dritte, unmittel­bar an den Scherenblättern Stehende angiebt. Nachdem die Platten zugeschnitten sind, werden ihre noch rauhen, unebenen Kanten zum besseren Aneinanderpassei: ii: der Hobelmaschine gehobelt. Bei einer solchen Stahlhobel­maschine ist die Platte auf einer Art von Wagen befestigt, der durch Dampskraft langsam auf Schienen an der Schneide des Hobels aus dem härtesten Stahl vorbeigeführt wird. Jedesmal nimmt der scharfe Stahl einen zwei bis drei Millimeter starken Span von der Platte, bis die richtige Breite erreicht ist. Uni eine Platte mit der andern am Schiffsrnmpfe zu verbinden, müssen beide mit genau auf­einander passenden Löchern versehen und genietet werden. Die Löcher der einen Platte werden mit Schablonen aus die andre Platte übertragen und mit Lochstanzen in die Platten gestanzt. Diese Stanzen sind ebenso wie die Scheren eingerichtet, nur haben sie statt der Scherenblätter auswechselbare Stempel von verschiedenem Durchmesser.

Es ist wunderbar, mit welcher Genauigkeit, Ruhe und Sicherheit diese ungeheuren Kraftmaschinen arbeiten. Man sieht es ihnen nicht an, welche Kraft in ihnen steckt. Erst wenn eine starke Panzerplatte in: Augenblick zerschnitten oder gelocht ist, bekommt man Respekt vor ihnen. Wehe dein Arm, der unvorsichtig ii: ihren Bereich kommt, er wird unfehlbar im Augenblick zerschnitten und zermalmt werden.

Auf das gute Anbringen der Platten aneinander kommt sehr viel an; es wird verlangt, daß die Nietlöcher genau aufeinander sitzen, da sonst die Nieten zu sehr geschwächt würde» und bei einem Schiffe, wenn seine Verbünde im

! Seegang beansprucht werden, leicht Nieten springen und einzelne Platten sich ablösen können, so daß das Schiff in äußerste Gefahr gerät.

Um die Stahlplatteu und die Winkelstahle, nachdem > sie gebadet, geschnitten, gehobelt, gelocht, gewalzt und ge­bohrt sind, zu dem Schiffsrumpfe zusammenzufügen, ge­brauchen wir zunächst einen Platz, von dem das Schiff später bequem vom Stapel laufen kam:, dieHelling" oder denHelgen". Die Helling ist eine ebene, mit starken Bohlen gedielte Fläche, die sich nach dem Wasser zu leicht senkt. An beiden Seiten, ungefähr in Schiffsbreite, stehen hohe Gerüste, ähnlich denjenigen, die man beim Hänserbau verwendet. Aus dem Boden ii: der Mitte der Helling stehen die Stapelklötze auf tief in den Boden eingerammten Pfählen. Sie sind aus Eichenholz gehauen und mit eisernen Klammern miteinander verbunden; ihre Oberkante bilde: genau die Krümmung des Kiels, der auf ihnen ruht.

Der Kiel ist der stärkste Teil eines Schiffes. Man baut jetzt in der Regel sogenannte Flachkiele, die aus zwm horizontalen, übereinander genieteten Kielplatteu, einer an­liegenden und einer abliegenden, die der Form des Schiffes angepaßt sind, und einer vertikalen Mittelkielplatte bestehen Diese einzelnen Platten werden äußerst stark durch dreifach- Nietung verbunden und durch Winkelstahle noch verstärkt Die Platten erreichen oft eine Dicke von 15 Millimeter und darüber. Nachdem der Kiel gelegt oder, wie es in der Technik heißt, gestreckt ist, werden zunächst die Quer­spanten aufgesetzt. Diese Querspanten sind von: Kiel bst- zum Oberdeck aus mehreren Teilen zusammengesetzt, bei Handelsschiffen aus zwei, bei Kriegsschiffen sogar aus dre« Teilen. Die unterste Abteilung reicht vom Kiel bis zu» Doppelboden und ist durch die Bodenstärke verstärkt, an ! nähernd dreieckige, starke Platten, die mit ovalen Mann löchern versehen sind und von der Mittelkielplatte bis Außenhaut und Doppelboden reichen. Die zweite Spant­abteilung reicht bei Kriegsschiffen mit Panzerdeck bst zu diesem, bei Handelsschiffen bis zun: Oberdeck. Am unsrer AbbildungKreuzer im Ban" sind die Doppel bodenspanten, Bodenstücke und Spanten bis zun: Panzerdeck fertig. Auf das Panzerdeck wird noch die dritte Ab teilung Spanten, die bis zun: Oberdeck reichen, gesetzt Auf die genaue Ausarbeitung aller Spanten und ihr tadelloses Anbringen wird sehr viel Sorgfalt verwendet Nach den Linien des Schnürbodens werden zunächst aus langen, schmalen Stahlstreifen Schablonen angefertig und mit Klammern auf einer Richtplatte befestigt. Tst Winkelstahle werden dann in rotglühenden: Zustand- an die Stahlschablone geschlagen, so daß sie genau dn Form derselben annehmen. Die Spantei: werden in Glüh öfen von circa 20 Meter Länge in ihrer ganzen Läng­erhitzt. Nachdem sie dann noch zum spätere«: Anbringe: der Außenhaut gelocht sind, werden sie angebracht. Dm mit ihre Außenkanten auch ja eine glatte Kurve bilden gut straken", werden in gewissen Abständen gut strakend ! Holzbalken au ihre Außenseite geschraubt. Wenn dm ^ Schiff so weit vollendet ist, das heißt ii: Spanten steht,

! so sieht es aus wie ein riesiges Fischskelett, die Foru ; ist dann selbst für eine«: Laien schon genau erkennbar.

! Nunmehr werden der Doppelboden und die Längs- ^ spanten eingebaut. Ersterer ist wasserdicht und trägt, wie l schon früher bemerkt, dazu bei, das Schiff unsinkbar zu machen.

^ letztere sind ein wichtiger Verbaudsteil. Der Doppelbode»

' liegt auf der Mittelkielplatte und den Bodenstücken und ist mit diesen durch Winkelstahle befestigt. Er ist wasserdicht ! eingebaut und hat nur wenige wasserdichte, verschraubbare Mannlöcher, ovale Löcher, groß genug, eine«: Mann hin­durch zu lassen, um eventuell eine Reparatur ausznführen oder die Frischwassertauks, die im Doppelboden enthalte»

^ sind, zu reinigen. In dem Doppelboden ziehen sich die