Heft 
(1897) 08
Seite
295
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Nun steht der Schiffsrnmpf fertig da; er bekommt jetzt > noch einen Anstrich und kann dann vom Stapel laufen. ^

Bei Kriegsschiffen wird über die stählerne Außen- ! haut, soweit das Schiff im Wasser liegt, oft noch eine andre Haut aus dicken Teak- oder Olivenholzplanken gelegt und diese dann mit Kupferblech bekleidet. Handelsschiffe ! bedürfen dieses Schutzes nicht, sie bekommen einen einfachen Anstrich mit Patentfarbe, der das Anfetzen von Algen und Muscheln verhindert. Unsre in der Heimat stationierten ungekupferten Kriegsschiffe werden einfach grau gestrichen, weit diese Farbe auf See am wenigsten in die Angen fällt. Die für fremde Stationen bestimmten Kriegsschiffe erhalten über Wasser einen weißen Anstrich, um die glühende Tropensonne abzuhalten. Unsre Handelsschiffe dagegen sind unter Wasser lebhaft rot, über Wasser meist schwarz oder weiß gestrichen.

In engem Revier, wo wenig Raum für den Stapel- i

sogenannter Bremskeil. Das ist ein langer, dicker Keil aus Eichenholz, der mit dem Schiff durch lange Ketten, die aufgerollt am Ufer liegen, verbunden ist. Das gleitende Schiff muß nun zunächst die Ketten abrollen und dann den Bremskeil aus Holz durch zwei in entsprechendem Raum übereinander fest angebrachte Eichenbalten von ungeheurer Dicke hindurch ziehen. Ter Zwischenraum zwischen den beiden Eichenbalten ist nur so groß wie das dünne Ende des Keils. Oft wird nun durch die gewaltige Kraft des hinabgleitcnden Schiffes der Keil durch die Eichenbalken zerdrückt, oder er sprengt den einen oder gar beide Balken. Außerdem hängen am Bug des Schiffes an Ketten zwei mächtige Anker, die in dem Augenblick, wo der Bug ins Wasser taucht, fallen. Tie Ketten, die beim Stapellauf eines großen Ozeandampfers benutzt werden, haben natür­lich ungeheure Dimensionen. Die einzelnen Glieder haben Armesdicke und wiegen wohl ungefähr durchschnittlich

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Am Ruder S. M. JnchtHohcnzollern".

lauf vorhanden ist, fetzt man vor demselben noch die Schraubenflügel an die Wellen, weil diese, wenn sie fest­gestellt sind, den Lauf des Schiffes im Wasser hemmen.

Für den Stapellauf wird unter das Schiff eine Gleit­bahn gebaut, deren Oberfläche dick mit Fett, grüner Seife und russischem Talg eingefchmiert wird. Auf dieser Gleitbahn ruht der Schlitten, auf dem das Schiff steht. Dieser Schlitten ist aus starken Balken gezimmert und paßt sich genau der Form des Schjffsbodens an. Schiff und Schlitten sind durch dicke Taue miteinander fest verbunden, ebenso halten starke Taue Gleitbahn und Schlitten zusammen. Wenn letztere zerhauen sind, so muß das Schiff, das mit seinem Schlitten auf der geneigten glatten Fläche der Gleit­bahn ruht, unfehlbar den Gesetzen der Schwere folgen und von selbst in das Wasser gleiten. Damit das Schiff nun nicht mit allzugroßer Geschwindigkeit und Gewalt in fein Element läuft, werden umfangreiche Maßregeln getroffen, feinen Lauf zu hemmen. Zunächst liegt am Lande ein

I V? Zentner das Stück. Und doch reißt oft so eine Kette und saust in riesigem Bogen durch die Luft, alles ihr in den Weg Tretende zerschmetternd.

Ein guter Stapellauf gilt den Seeleuten als eine glückliche Vorbedeutung für das Schiff. Wenn die Tauf­rede gehalten ist und eine Flasche deutschen Schaum­weins den Bug des neuen Renners genetzt hat, dann werden die Taue zerhauen, und das Schiff gleitet, umbranst von dem Hurra der Menge, majestätisch und sicher in fein Element, das hoch aufspritzt, wenn der Kiel ins Wasser taucht. Hilflos ragt das Ungetüm weit ans dem Wasser empor, mehrere Schlepper quälen sich, den Koloß wieder an die Werft zu bringen, wo jetzt seine Ausrüstung erfolgen soll. Das Schiff ist jetzt nicht mehr das Schiss Nummer so und so viel, sondern es hat einen Namen, und von feinen: Heck weht die deutsche Flagge. Jetzt tritt der große Schwimmkran in Wirksamkeit, um die schweren Ansrüstnngsgegenftände in das Schiff zu heben.